Creator:
Scherer, Wilhelm
Publication:
Berlin: Weidmann, 1885
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-12932780
Path:

Heimat.
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anderes deutsches Dichtergeschlecht. Sie waren unerschöpf
lich in den kunstvollsten Bindungen und Verschlingungen
tadellos reiner Reime. Eine große Zahl mannigfaltiger
Melodien und entsprechender Strophenformen ihrer stets
gesungenen Gedichte tauchten auf, wurden eine Zeit lang
gebraucht, mußten neuen Melodien, neuen Formen weichen.
Diesen Glanz und diese Pracht der Form, wofür Tieck
sehr empfänglich war, suchte er zu charakterisiren mit
einem Enthusiasmus, über welchen Kältere lächeln konnten,
der sich Gleichgestimmten mittheilen mußte. Er legte viel
zu viel in die Dinge hinein und nahm einen Zusammen
hang der Form mit dem Inhalt an,, der nur in den
seltensten Fällen wirklich vorhanden war. Er suchte aber
außerdem eine vollständige Uebersicht der altdeutschen
Dichtung zu geben und knüpfte daran Ausblicke auf
italienische Poesie, auf Cervantes, auf Shakespeare, — um
gleichsam sein ganzes Pantheon im Hintergrund erscheinen
zu lassen.
Jacob Grimm las das Buch und fühlte sich mächtig
ergriffen. Er stand in dem Alter von achtzehn Jahren,
wo jugendlicher Enthusiasmus so leicht über das künftige
Leben entscheidet. Er hatte zu deu juristischen Studien als
solchen kein inneres Verhältniß, sie waren ihm nur durch
Savignys Persönlichkeit werth geworden. In seinem
Innersten lag ein Schatz von Poesie und Heimatsgefühl,
den die Natur und gute Menschen in ihm aufgehäuft
hatten. Daran ward er durch Tieck gefaßt. Die deut-
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