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Siebenter Brief. Der Bundesrath

Full text : Hof und Gesellschaft in Berlin / Adam, Juliette (Public Domain)

Hof  und  Gesellschaft.

O

Als  im  Jahre  1870  das  neue  Kaiserthum  Deutschland  begründet ­
  wurde,  ging  die  Sache  nicht  so  ganz  glatt.  Die  kleinen ­
  Fürsten,  die  in  Versailles  den  König  Wilhelm  zu  ihren
Oberhaupt  ausriefen,  fügten  sich  dieser  harten  Nothwendigkeit
  nicht  gar  so  leicht;  trotz  ihres  angeblichen  Enthusiasmus
sehnten  sie  sich  keineswegs  nach  der  Gelegenheit  diesen
Enthusiasmus  an  den  Tag  zu  legen.  Herr  von  Bismarck  hatte
mit  seinem  Scharfsinn  und  seinem  Genie  die  Situation  viel
eher  begriffen  als  diejenigen,  welche  die  Opfer  derselben  wurden; ­
  er  hatte  diese  dumpfe  Gereitztheit  der  kleinen  Souveräne
vorausgesehen  und  um  die  Bitterkeit  des  geforderten  Opfers
zu  mildern,  hatte  er  den  Bundesrath  in  Vorschlag  gebracht.
Diese  Versammlung,  die  an  den  norddeutschen  Bund  von  ehemals ­
  erinnert,  konnte  in  den  kleinen  Fürsten,  die  zu  den
Füssen  Preussens  wimmelten,  den  Glanben  erwecken,  dass
man  ihnen  die  Macht  gelassen  habe,  an  den  Geschäften  ihres
Vaterlandes  theilzunehmen.
Im  Grunde  aber  ist  der  Bundesrath  nichts  als  eine  ungeheure ­
  Mystifikation,  gerade  so  wie  der  Reichstag  und  das
Ministerium!  Der  Bundesrath  ist  nur  ein  Instrument  in  der
Hand  des  Kanzlers,  der  sich  von  demselben  Alles  votiren
lässt,  was  ihm  gefällt,  der  ihn  leitet  ganz  nach  seinem  Belieben. ­
  Als  Regierungsstelle  eingesetzt,  ist  der  Bundesrath  eine
Maschine  geworden,  im  Namen  derer  man  regiert.  Seine
sämmtlichen  Mitglieder  sind  entweder  Creaturen  des  Herrn
von  Bismarck  oder  seine  Feinde,  zu  dumm  um  gefährlich  zu
            
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