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Die sozialen und revolutionären Bewegungen Die politischen Revolutionen im Altertum

Full text: Die Befreiung der Menschheit / Ježower, Ignaz (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Die politischen Devolutionen im Altertum 
Natürlich hatte er auch viele Mitläufer aus den Kreisen 
bürgerlicher Bankrotteure, deren ganze Weisheit auf 
Schuldenerlaß und neue Aufteilung hinauskam, während 
der Nullifch-Katilinarifche Plan als seinen wichtigsten Punkt 
die Ansiedelung des Proletariats in den Provinzen ent 
hielt. Es ist kein Wunder, daß sich sowohl Adel wie Ka 
pital durch dieses Projekt gleich bedroht fühlten und trotz 
der bisherigen Feindschaft sich vor dein roten Gespenst zu 
einem neuen, festen Bündnis zusammenschlossen,' galt es 
doch, ihren Löwenanteil am Staatsguts gegen den neuen 
Anwärter, das Volk, zu ver 
teidigen. Ihr Kompromiß- 
kandidat, Cicero, Roms 
größter Parlamentarier, hat 
mit glühendem Eifer und 
staunenswertem Geschick das 
„Ordnungskartell" von 
Macht und Besitz verteidigt 
und es fertiggebracht, der 
Menge ihre eigenen Vor 
kämpfer zu verdächtigen. 
Mit den giftigsten Verleum 
dungen und schmutzigsten 
Intrigen wurde von seiten 
der Besitzenden dieser Kamps 
geführt, wobei es allerdings 
als ihre Entschuldigung gel 
ten mag, daß ihnen jegliches 
Verständnis für die poli 
tischen Ziele ihrer Gegner 
abging, daß sie sich andere 
Ansprüche des Volkes als 
die auf Gnadengeschenke gar 
nicht vorstellen konnten. Ge 
gen Gegner von der Art 
Katilinas glaubte man auch, 
nicht an gesetzliche Formen 
gebunden zu sein. So hatte 
man schon früher die Wahl 
volksfreundlicher Konsuln 
für ungültig erklärt und 
schlechtweg die in der Min 
derheit gebliebenen aristo 
kratischen Kandidaten für 
gewählt erklärt. Katilinas 
Wahl verhinderte man auf die schikanöseste Weise, so daß 
schließlich kein anderes Mittel nrehr zu bleiben schien, als die 
gewaltsame Revolution, ein damals durchaus nicht mehr 
ungewöhnlicher Weg. Katilina stellte sich an die Spitze 
der brot- und obdachlosen, in ganz Italien herumstreifenden 
Proletarier. Noch war aber die Militärmacht des Senates 
übermächtig; er wurde besiegt und fiel in tapferem Kampfe, 
während seine Anhänger in der Stadt dem Henker über 
liefert wurden. 
Das war aber auch der letzte Sieg der alten Herrsch 
gewalten. Im Grunde waren die früheren Versuche daran 
gescheitert, daß die Führer vor den letzten Folgerungen 
zurückschreckten. Wohl hatte der jüngere Gracchus schon 
durch sein Vorgehen angedeutet, daß die alten Forinen der 
römischen Verfassung, die den Verhältnissen einer kleinen 
Bauerngemeinde angepaßt waren, mit den Bedürfnissen 
eines Weltreichs unvereinbar waren, daß eine auf das 
Volk gestützte Monarchie, in welcher Form sie auch immer 
sich bieten mochte, den inneren politischen Aufgaben weit 
eher gerecht werden könnte. Bei den meisten seiner Nach 
folger aber saß die Idee des souveränen Volkes noch zu 
fest, als daß sie es gewagt hätten, planvoll diese Lösung 
anzustreben. Nach dem Fehlschlagen der Katilinarischen 
Erhebung sehen wir aber einen bewußteren Vorstoß dieses 
Gedankens. Mehrere halten sich zu dieser Stellring be 
rufen: der Reichste: Krassus, der Gefeiertste: Pompejus, 
und der Begabteste: Cäsar. Es war ihnen aber klar, daß 
es zunächst verkehrt gewesen wäre, sich gegenseitig zu 
bekämpfen, daß man zuerst den gemeinsamen Gegner, die 
Senatspartei, in ihrer ganzen Schwäche bloßstellen müßte, 
um diesen Gegner ganz aus,- 
zuschalten. Als nach Errei 
chung dieses Zieles und nach 
dem Tode des Krassus nur 
noch zwei Anwärter auf die 
monarchische Stellung übrig 
waren, mußte dieser Strejt 
in Form eines Bürgerkrieges 
ausgefochten werden. Beide 
Bewerber verfügten über 
ihnen ergebene Heere. Cä 
sar war der Revolutionär, 
da Pompejus seinen Frie 
den mit der legalen Re 
gierungsgewalt, dem Se 
nate, gemacht hatte und von 
diesem unterstützt wurde. 
Aber im Grunde war beider 
Streben gleich revolutionär, 
monarchistisch. An Cäsar- 
schlossen sich die sozialen Re 
former und Revolutionäre 
an, die durch Augenblicks 
maßnahmen, wie Schulden 
erlaß und Landverteilung, 
ihre Wünsche befriedigt ge 
sehen hätten. Cäsar mußte 
ja auch einige Zugeständ 
nisse in dieser Beziehung 
machen; aber er war sich 
bewußt, daß nur eine um 
fassende Reichsgesetzgebung 
der sozialen Not dauernd 
steuern könnte. Er und seine 
Nachfolger haben es auch er 
reicht, daß wir nunmehr jahrhundertelang nichts mehr von 
sozialen Revolutionen in Italien hören, während die in den 
Provinzen mehr nationaler Natur sind. Das Kaisertum war 
der Aristokratie und Plutokratie der Republik gegenüber 
für die Massen der Proletarier eine Befreiung gewesen, 
zumal es auch den Privilegierten ihre Haupteinnahme 
quelle, die Aussaugung der Provinzialen, unterbunden 
hatte. Italien mußte eben arbeiten lernen; die Entwick 
lung der Gewerbe rnrd des Handels hat großen Massen, 
die vordem nur von ihrem Stimmrechte gelebt hatten, 
einen Verdienst verschafft, der das Proletariat zwar nicht 
aus der West schaffte, aber doch in Grenzen hielt, die mit 
dem Reichsbestande vereinbar waren. 
Wenn in all diese» wirtschaftlichen und politischen 
Krisen gerade von dem Stande niemals die Rede war, 
dessen Lage heute den Angelpunkt jeder Wirtschaftspolitik 
bildet, dem Arbeiterstande, so liegt das an den eigen 
artigen Verhältnissen der antiken Produktion. Schon im 
Eingänge ist darauf hingewiesen worden, daß die Arbeit 
dem naiven Mensche» des Altertums als ein Fluch galt, 
Römischer Slaäiatorenkamps 
Tellln'lä aus ciem großen Mosaik in äer römischen Villa zu 
- Nennig bei Trier
	        
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