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Full text: Die Befreiung der Menschheit / Ježower, Ignaz (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Neue 
Rheinische Zeitung 
Organ der Demokratie. 
M 301. 
Köln, Samstag, den IS Mai. 
1849. 
Abschzedsworl der Neuen Rheinischen Zeitung. 
^ein offner Hieb in offner Schlacht 
E- fällen die Nucken und Tücken. 
Qfi fällt mich die schleichende Riedeetr'acht 
Der schmutzigen WesDNalmückcrl! 
Aus dein Dunkel flog der tödtende S-cbaft. 
Klus dem Hinterhalt fielen die Streiche — 
Und so liegt ich nun da in meiner Kraft. 
iBine fix)lje Rebellerileiche! 
Auf der Lippe den Trotz und den zuckenden Hohn 
In der Hand den blitzenden Degen, 
Noch im Sterben rufend: „Die Rebellion!" — 
So bin ich mit Ehren erlegen. 
O. gern wohl bestreuten mein Grab mit Salz 
Der Preuße zufammt dem Czare - 
Doch e- schicken die Ungarn, es schickt die Pfalz 
Drei Salven mir über die Bahret 
Und der arme Mann im zsrrifl'nen Gewand, 
Er wirft auf mein Haupt die Schollen; 
Er wirft sie hinab wit der fleißigen Hand, 
Mit der harten, der fchwielenvollen. 
Einen Kranz auch bringt er auS Blumen und 
Mai'n, 
Zu ruh'n auf meinen Wunden; 
Den haben sei« Weib und sein Töchterlein 
Rach der Arbeit für mich gewunden. 
Run Ade, nun Ade, du kämpfende'Welt. 
Run Ade, ihr ringenden Heere! 
Run Ade, du pulvergefchwärzteS Feld, 
Run Ade, ihr Schwerter und Speere! 
Run Ade — doch nicht für Immer Ade! 
Denn fle todten den Geist nicht, ihr Brüder! 
Bald richt' ich mich raffelnd in die Höh', 
Bald kehr' ich reisiger wieder! 
Wenn die letzte Krons wie GlaS zerbricht, 
In des Kampfes Wettern und Flammen, 
Wenn daS Bolk fein letztes „Schuldig!" fhricht, 
Dann stehn wir wieder zusammen! 
Mit dem Wort, mit dem Schwert, an der Do 
nau, am Rhein, — 
Eine allzeit treue Gesellin 
Wird dem Throne zerschmetternden Volke fein 
Die Geächtete, die Rebellin! 
F. FBE1L18RATH. 
An die Arbeiter Kölns. 
Wir warnen Euch schließlich vor jedem Puisch in Köln. Nach der inilitänschm Lage Kölns wäre! ihr reltungAos verloren. Ihr habt in 
Elberfeld gesehen, wie ble Bourgeoisie die Arbeiter inä Feuer schickt und sie hinterher aufs Nlkderirächtigste verräth. Der Belagerungszustand 
in Köln würde Die ganze Rbeinvrovinz dcmoralisiren und der Belagerungszustand wäre die nothwendige Folge jeder Erhebung von Eurer Seite 
in diesem Augenblicke. Die Preußen werden an Eurer Ruhe verzweifeln. 
Die Redakteure der Neuen Rheinischen Zeitung banken Euch beim Abschiede für die ihnen bewiesene Theilnahme. Ihr letztes Wort wird überall 
uns immer sein: Emancipation der arbeitenvey Klasse! Die Rrvakkion oer Neuen Rhein. Zeitung. 
Deutsch lcrud. 
* Köln, !8 Mai. Dor einiger Zeit wurde von Berlin auS 
ca eine hiesige Behörde die Forderung gestellt, abermals den 
Belagerungszustand über Köln ;u verhängen. Man bezweckte 
die standrechtliche Beseitigung der „Neuen Rheinischen Zeitung," 
aber man stieß auf unerwarteten Widerstand Später wandte 
sich die Kölnische Regierung an dag hiesige Parket. um denselben 
Zweck durch willkürlicheVerhaftungen zu erreichen Sie scheiterte 
an dem juristischen Bedenken deÄ ParkctS, wie sie schon 
zweimal an dem gesunden Menschenverstand der rheinischen Ge. 
ichwvrnen gescheitert war CS blieb nichts andres übrig, als zu 
einer Polizeifintr seine Zuflucht zu nehmen und man hat für 
den Augenblick seinen Zweck erreicht. Die Neue Rheinische 
Zeitung hört einstweilen aus zu erscheinen. Am 16. 
Mai wurde ihren, Redacteur eil cdef Carl Mare folgender 
RegierungSwisch mitgetheilt: 
„In ihren neuesten Stücken (!) tritt die R Rh. Z mit der 
Aufreizung zur Verachtung der bcstehrnden Regierung, zum ge. 
waltsamen Umsturz und zur Einführung der socialen Republik 
immer entschiedener hervor. ES ist daher ihrem Redacteur en 
chos. den, Dr Karl Mari, daS Gastrecht (!), welches er so 
schmählich verletzt, zu entziehen, und da derselbe eine Erlaubniß 
tum ferneren Aufenthalt in den hiesigen Staaten nicht erlangt 
hat. ihm auszugeben, dieselben binnen 24 Stunden zu verlassen 
Sollte er der an ihn ergehenden Aufforderung nicht freiwillig 
Genüge leisten, so ist derselbe zwangsweise über dir Gränze zu 
bringen." 
Köln, den 11. Mal 1849. 
König!. Regierung. 
Moeller 
An den König!. Lolizeidirektor Herrn Geiger hier. 
Proklamation an die Frauen. 
Stil hat 1 Juni 1848, wo bis "Neue Rheinische Zeitung" 
wie ctD fremder fDunbrrflrro drohend und prächtig über ('ändern 
und Meeren heraufstieg uod wo daS Feuilleton wie etn huinoristi- 
scher Kometenschweif hinterdrein flackerte, hat dieser Kometcaschwelf 
so unbeschreiblich viel geleistet, daß meine freundliche» Lks,rinnen 
weisend ihr« holden Gesichter verhüllen werden, wenn fi, bu 
schreckliche Kunde vernehmen, daß nach dieser Kometenschweif In 
der augenblicklichen Götterdämmerung der Timm Nhewischra Zei 
tung, kirn Slugc profaner Sterblicher ealrückt wird, um viekleicht 
«'st später wieder den Himmel mit seinem lästigen Zickzack zu 
durchschießen. 
-Und scheint die Sonne noch s« schön 
Am Ende muß sie untergehn.- 
Ich hake mich von jeher an die Frauen geholten; für Männer 
♦ntmfflrt ich mich selten 
An Euch, ihe schönen Frauen, wende ich m>ch daher mit diesem 
Äbschiedsstrouß, in dem ,ch alle Rosen und Disteln meiner uner« 
fälschlichen Seele zusammenband. Di« Rostn sind natürlich für 
Euch i bis Disteln für (Jot« ollrnsallfigrn Mänoer 
Treffliche -Männer habt Ihr Seht nur, wal.aul Enern Man- 
nein geworben ist! AuS irnca großen Staatsmännern. mit denen 
wag nicht einmal mehr Hit kleinen Kinder bange macht; au< ienea 
berühmten Eelehrlcn, vor denen nicht einmal die tollen Hunye die 
Wasserscheu bekommen, aus jenen gefeieelen Bänkelsängern, die 
durch alle ihre potrivlisch« Begeisterang anr zu einer rothen Rase 
gelangten, und auS jenen stillen Schwärmern Uk-DeulschlondS, dre 
gleich miloncholischen Heldschnuckea. uiil veehäogteo Schwänzer,, 
über die ^onebnrgrrhride die (Aegenipark, der Sahara drr Zukunft 
entgegenwedetn 
ES thut mir leid, Fron RegierungSeälhio, daß Sie sich io Ihrem 
Heren Gemahle so geirrt haben. Sie hielten iho für einen Solon 
und da kommk er ans der Berliner Ratiooalversawmlang oach 
Hause zurück und ,6 findet sich, daß er ein rechter Gimpel ist 
Ich bedaure dies, Fran Regieroog-räthin. Trösteo Sie Ihren 
Mona daunt, daß er ,ia verkanntes Geuir sei, aber vor allen 
Dingen: schaffen Sie sich diesen Menscheo vom Halse — ja. ihr 
Fraaeo. gebt Enero Männern dea Abschied, sie sind keinen Schoß 
Pulver werth. — — Wer mögte «in Kanieel umarmen > 
Wunderlich haben voS die Familienvater io deo Berliner vvd 
Franlsurter Nationalversammlungen mitgespielt. Wärt Ihr Frauen 
am Ruder gewesen, wahrlich, wäre ander- geworden. Lachend 
hättet Ihr eure ambrosischen Locken geschüttelt und oach kurzen 
Debatten hottet Ihr irgend einen AdontS zum deutschen Kaiser ge 
macht and nach drei Tagen hättet Ihr ihn geköpft uad auS seinen. 
Blute wären bluteolhe Rosen gewachsen, die Blume, der Liebe 
und der Republik! 
Aber da« ganze Unheil ist vur deßhalb über Deotschlaad ge- 
lonnnen, weil Man die deutsche Politik bisher für eine -ernste, wich 
tige und nicht für ein» Herzenssache hielt. Ihr Frauen sei» dazu 
berufen, dststm Mißverstäädniß ein säe allemal abzohelsen. 
Fragt oichl noch dem: Wie? Ihr wißt «S selbst am beste» 
Laßt eure alten Männer laufennehmt oeae Männer, revolutionärr 
Männer — voilJ lernt! ,> 
Wenn t& vor vkerzig oder fünf and vierzig Jahren hleß. »bis 
Franzosen kommen!-, da lirskv alle jungen Mädchen und Frauen 
eilig on'F Fenster und schoben die Gardinen bei Seite und schau- 
ten in die Straße Hinaul. halb lüfier,. halb verschämt, bis cer 
Tamboenmojor kam mit seinem großen Stock, und hinterdeei, die 
lustige,;, fl,inen fftrlr, di« ohn, Weiteres in die Stadt »nv in 
jedes Herz hiaeiamarlchirtea. — — {siiftnoM hat eS hübscher: 
bieder gegeben, als »ach jene» gesegnete» Feldzüge»! 
Heute heißt «s nicht mehr: "die Fraozosen kommen!" oeia, »die 
Uogoro kommen!» nod diese Ungarn sollt Ihr freundlich empsa». 
gen. DieS ist die Herzenssache der deutschen Politik. Die U»« 
garo^sind die Fraozo,c° drS llkonzeh-ten Iahrhuu. 
Früher lispelten die deolschen Vädchea im Momeote des hoch- 
sten Glückes: "Da machst mich unglücklich!» Bold werde» sie 
jubeln: »Du machst mich glücklich!" Denn di« Ungarn werden 
sich ,n Deulfche verwandeln uud die Deutschen in Ungarn und der 
Ru§ der glücklichen Lippen wird durch Berge und Wälder brennen, 
bis dir Schoerfelver Sibiriens aufthaaeo, and die Kosacken darin 
ersoosen vom Don bis zum Doiester. 
Don Anbeginn seid Ihr Frauen gkscheidler gewesen als affe 
Schriftgelehrlen und Pharisäer, ober vön Anbeginn wort ihr anch 
lr «den sch östlich er alö alle Schriftgel,hrten uad Pharisäer. 
So fahrt denn heraus mit Eurer flammenden Leiddnschaft und 
ergreift Eure zohmea Maoner bei ihrea liederliche» Zöpfen ua» 
Haag« sie ul« Aogelscheuchea wohin' Ihr wollt — »ur fort mit 
Die Guillotine wird au« retten uud die Leidenschaft der Weiber. 
Im Uebrigen empfehle ich mich Euch von ganzen^ Herzen. Die 
Nachtigallen siogeu in den Büschen, dir Kogel» pfeifen- »ob meiue 
Proklamotio» ist z» Ende. 
Georg Weerth. 
Erste Seite äcr Abschiecisnummer äer von bvari 91Iarje redigierten „Neuen Rheinischen Zeitung" (verkleinert)
	        
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