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Die Befreiung der Menschheit

Full text: Die Befreiung der Menschheit / Ježower, Ignaz (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Einleitung 
XIII 
Qualentod leicht wurde. Aber sie gaben ihre von Marx 
herstammenden Ideale nicht auf. Änd von Rußland sind 
all die kleinen predigenden, beweglichen, nicht zu bekehren 
den Marxapostel nach allen fünf Erdteilen ausgezogen, um 
die Marxistische Botschaft zu verbreiten. Gern wander 
ten die russischen Marxisten in die Verbannung. Wußten 
sie doch, daß sie allen leidenden Menschen eine neue 
Heimat vorbereiteten, die keine Landes- und Volkes 
grenzen mehr kennen würde. 
Das wäre niemals möglich gewesen, wenn Karl Marx 
nicht auch neben seiner genialen Vernunft die Redemacht 
des Propheten besessen hätte. Man zankt und zetert mit 
ihm, aber man ergibt sich ihm auch auf Tod und Leben. 
Als er kurz vor 1848 das Kommuni st ischeMani- 
s e st zusammen mit Friedrich Engels niederschrieb, war 
er auf der Höhe solcher die Welt anwerbenden Sprach- 
und Prophetenkraft. „Der Klaisenkampf hat jetzt eine 
Stufe erreicht, wo die ausgebeutete und Unterdrückte 
Klasse (das Proletariat) sich nicht mehr von der sie aus 
beutenden und unterdrückenden Klasse (Bourgeoisie) be 
freien kann, ohne zugleich die ganze Gesellschaft für immer 
von Ausbeutung, Unterdrückung und Klassenkämpfen zu 
befreien." So heißt es in dem Kommunistischen Manifest. 
Und als Leitmotiv über dem Ganzen: „Ein Gespenst 
geht um in Europa, das Gespenst des Kommunismus." 
Man sieht und hört es unvergeßlich und greifbar, dieses 
Gespenst, das jedem einzelnen mächtig nahe kommt, wie 
es keinen mehr lassen will. So redet nur der Prophet, 
und mag er auch zu Feinden und Spöttischen reden. Und 
weiter: Die Bourgeoisie „hat die heiligen Schauer der 
frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der 
spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser der 
egoistischen Berechnung ertränkt". Auch das ist biblische 
Prophetensprache. Etwas sehr Altes, etwas schrecklich Altes 
wird da angegriffen, durchgehechelt, verdammt und zer 
stört. Was wird an seine Stelle treten? Plötzlich der 
Ruf, ein orphischer Ruf, ein Posaunenruf, ein Ruf aus 
der Himmelshöhe und auch aus der Höllentiefe: „Prole 
tarier aller Länder, vereinigt euch!" 
Alle großen Volksführer, die jetzt folgen, find Erben 
von Karl Marx. 
Fetzt heißt es, Hirn und Magen und Gemüt des Prole 
tariers nach den unerhört neuen Methoden zu er 
lösen. Die neue Menschenfreiheit scheint gefunden. In 
Deutschland wirkt zunächst Ferdinand Lassalle. 
Einen Augenblick sieht es aus, als wenn dieser sprühende, 
schöne und geistreiche Mann mehr Einfluß gewinnen soll 
als die bohrende Logik von Karl Marx. Denn Laffalle 
weiß die Massen durch Feuer und Festigkeit zugleich zu ge 
winnen. Einen Augenblick scheint es auch, daß die beiden 
Darrikacken-ltlampf in äer Breiten Straße zu Berlin am 18. März 1848 
Nach einer gleichzeitigen Lithographie äer Sammlung: von Lipperheitie, Berlin
	        
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