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Die sozialen und revolutionären Bewegungen Die Entwicklung der revolutionären und sozialisitschen Bewegung in Rußland

Full text: Die Befreiung der Menschheit / Ježower, Ignaz (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Sie Entwicklung der revolutionären und sozialistischen Bewegung in Rußland 
Am 19. November 1825 war 
Alexander l. in Taganrog ge 
storben. Rußland leistete dem 
Thronfolger Konstantin Paw 
lowitsch den Eid. Dieser hatte 
indes bereits 1823 seinenThron- 
verzicht ausgesprochen, was 
auf Wunsch des Kaisers ge 
heim gehalten worden war, 
und erkannte den Großfürsten 
Nikolai Pawlowitsch als Kaiser 
an. Ein Interregnum trat 
ein. Die Armee, die Beamten 
schaft, selbst Mitglieder der 
kaiserlichen Familie waren im 
Zweifel, auf wessen Seite sie 
sich stellen sollten. Die Deka 
bristen beschlossen, diese Über 
gangszeit sich zunutze zu 
machen. 
Noch ein anderer, äußerst 
wichtiger Amstand, der über 
haupt eine sehr verhängnis 
volle Rolle fti der Dekabristen- 
bewegung gespielt hat, ver 
anlaßte sie, den Aufstand zu 
beschleunigen: die Pläne der 
Verschwörer waren der Re 
gierung bekannt geworden. 
Der Junker Scherwud und 
der Major Maiborda ver 
rieten den Bund des Südens 
und den des Nordens. (Nebenbei bemerkt, wurden diese 
Verräter später wegen Betrügereien und Diebereien ver 
haftet.) Die Organisationen waren damals stark ange 
wachsen, und es war daher für verräterische Elemente 
nicht allzuschwer, 
sich Eingang in 
diese Vereini 
gungen zu ver 
schaffen. Die Re 
gierung zögerte 
natürlich nicht, 
Gegenmaßnah 
men zur Vereite 
lung der Ver 
schwörung zu 
treffen. Noch 
wenige Tage vor 
seinem Tode 
verfügte Alexan 
der I. die Ver 
haftung eines 
hervorragenden 
Dekabristen, des 
Obersten E.Wod- 
kowski, der schon 
vorher von der 
Garde wegen 
verbrecherischer 
Reden und Verse 
gegen den Kai 
ser verabschiedet 
worden war. Der 
Generaladjutant 
Baron Diebitsch (ein Deutscher) 
sandte aus eigener Machtvoll 
kommenheit den General 
Tschernyschow nach Tuljtschin 
mit dem Aufträge, die Haupt 
führer der Gesellschaft des 
Südens, P. Pestel und Fürst 
S. Wolkowski, zu verhaften. 
Daher beschloß der Bund des 
Nordens, obgleich die Führer 
wußten, daß die Verhältnisse 
für die Verwirklichung seiner 
Ziele wenig günstig lagen, in 
anbetracht der außerordent 
lichen ümstände, sozusagen 
aus revolutionärem Pflicht 
gefühl, zur Erhebung aufzu 
rufen. Außerordentlich bezeich 
nend war es, daß Fürst Tru- 
betzkoi, der vom Bund des 
Nordens zum Diktator und 
Führer der Bewegung ernannt 
worden war, noch am 12. De 
zember nicht zu dem Entschluß 
kommen konnte, irgend etwas 
zu unternehmen. Da war es 
Rylejew, der an diesem Tag 
in einer Versammlung des 
Bundes den erfolgten Ver 
rat bekanntgab und ausrief: 
„Wir sind verloren, aber 
wenn wir schon sterben sollen, 
so besser mit der Waffe in der Hand." 
Der Plan des Fürsten Trubetzkoi war: unter den Trup 
pen sollten Zweifel an dem Thronverzicht des Großfürsten 
Konstantin Pawlowitsch hervorgerufen werden. Das 
erste Regiment, 
das die Eides 
leistung verwei 
gerte, sollte so 
dann zu einem 
anderen Regi 
ment geführt 
werden, worauf 
man alle Re 
gimenter ver 
sammeln und 
ihnen erklären 
wollte, daß der 
verstorbene Zar 
ein Testament 
hinterlassen hät 
te, demzufolge 
die militärische 
Dienstzeit herab 
zusetzen sei, und 
daß man die 
Vollstreckung die 
ses Testaments 
fordern müßte. 
Auf Worte und 
Versprechungen 
könne man sich 
jedoch nicht ver 
lassen. Man 
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Der Kampf Nikolaus' I. gegen die Presse 
Der Zar ärohc an, daß jeder, der den oerbotcnen „Lharioark 
lesen sollte, erschossen werden wird 
Nach einer Karikatur von Lham 
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Nikolaus I. beunruhigt Europa 
Nach einer Karikatur von Lham anläßlich des bevorstehenden russisch-türkischen 
Krieges
	        
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