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Full text: Die Befreiung der Menschheit / Ježower, Ignaz (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Die Kommune 
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zu bringen, aber auch für die Frauenemanzipation einen 
Stützpunkt zu schaffen. Sie scharte erst einen kleinen 
Kreis von Frauen um sich, der die Gründung von Frauen 
klubs beschloß, und sich nun Zentralkomitee der Frauen 
union benannte. Bald gab es Unterkomitees in allen 
Arrondissements, desgleichen Klubs, deren Versamm 
lungen starken Zulauf hatten; es hat freilich auch nicht 
an Exzentrizitäten gefehlt, die dann von der Vorein 
genommenheit verallgemeinert wurden. In erster Linie 
hatten die Führerinnen dieser Frauenbewegung es na 
türlich darauf abgesehen, die Revolution zu unterstützen, 
auch mit den Waffen, vor allem aber durch Organisierung 
der Krankenpflege. Aber sie strebten auch die gewerk 
schaftliche Organisierung der Arbeiterinnen an und hatten 
sogar ihr Augenmerk auf eine internationale Föderation 
der Frauen 
gerichtet. 
Wie sich 
die sozialen 
Ideen der 
Internatio 
nale in ihren 
Köpfen ge 
stalteten, 
zeigt am be 
sten ein Aus 
ruf an die 
Bürgerinnen 
von Paris, 
den diese 
Gruppe er 
ließ. Sie 
riefen darin 
zum Kampf 
mit den 
Waffen auf. 
Sie sprachen 
von einem 
Kampf auf 
Tod und Leben, dem Schlußakt des ewigen Antagonismus 
von Recht und Gewalt, Arbeit und Ausbeutung, bezeich 
neten als Feinde die Privilegierten der bestehenden Ge 
sellschaftsordnung, „alle, die immer von unserem Schweiß 
gelebt, die sich immer von unserm Elend gemästet haben". 
Der Schlachtruf der Volkserhebung ist der Wille zu arbei 
ten, aber auch den Arbeitsertrag zu behalten, keine Aus 
beuter, keine Herren mehr zu dulden. Der Aufruf verlangt 
die Negierung des Volkes durch sich selbst, eben die Kom 
mune, und greift auf die alte Losung der Lyoner Seiden 
weber zurück: Frei von der Arbeit leben oder im Kampf 
sterben. Auch das Vorbild der Pariser Frauen von 1789, 
die nach Versailles zogen, wird denen von 1871 vorgehal 
ten, um sie zur aktiven Teilnahme am Entscheidungskampf 
zu veranlassen. Die Arheberinnen dieses Appells glauben 
nämlich, daß die Stunde der Weltrevolution gekommen 
sei, und entwerfen in diesem Sinne ein optimistisches 
Bild von der politischen Lage in Europa. Es gilt also zu 
siegen oder zu sterben. Die Unterzeichneten erklären sich 
zum Äußersten entschlossen, indem sie offen aussprechen, 
daß weder sie noch die Feinde Gnade wollen, und indem 
sie sich gewillt zeigen, wenn alle übrigen Waffen von den 
Männern gebraucht werden, sich der Pflastersteine zu 
bedienen, um die Verräter zu zerschmettern. Was den 
Radikalismus anging, so ließ also das Zentralkomitee 
der Frauen jedenfalls nichts zu wünschen übrig, dessen 
Seele die Dimitriew war. In dieser Hinsicht konnte 
Madame Leo, die in Rede und Schrift der Kommune 
bewegung ihre Dienste widmete, mit der Dimitriew 
keinen Vergleich aushalten. Malon charakterisiert sie 
als gewaltsamen Maßregeln wenig geneigt und bemerkt, 
daß sie viele Handlungen der Kommune tadelte. Das 
hinderte sie aber nicht, der proletarischen Bewegung 
bis zum Schluß treu zu bleiben und auch für die For 
mierung eines Frauenbataillons sich einzusehen. Von ihr 
rührt ein sehr interessanter Aufruf der Pariser Kommune 
an das Landvolk her, der in 100 000 Exemplaren in der 
Provinz verbreitet wurde und vor dem Manifest vom 
19. April jedenfalls das voraus hat, daß er den sozia 
listischen Charakter der Bewegung klarer erkennen läßt. 
Als Endziel der Pariser Erhebung wird darin hingestellt: 
„das Land 
dem Land 
mann, das 
Werkzeug 
dem Arbei 
ter, die Ar 
beit für alle". 
Wogegen 
Paris Krieg 
führte, das 
ist der Wu 
cher, dieLüge 
und die Faul 
heit. Das 
Flugblatt 
sucht den 
Bauern aus 
zureden, was 
man ihnen 
vorspricht: 
„die Pariser, 
die Sozia 
listen, die 
Teiler".Viel- 
mehr will Paris, daß die Früchte der Erde denen ge 
hören, die sie bebauen: „Jedem das feinige, Arbeit für 
alle. Keine sehr Reichen, aber auch keine sehr Armen 
mehr. Keine Arbeit mehr ohne Ruhe, keine Ruhe mehr 
ohne Arbeit." Die Landleute müssen einsehen, daß die 
Sache von Paris auch die ihrige ist: „Helft ihm also 
siegen, und was auch geschehen mag, erinnert euch wohl 
der Worte — denn es wird Revolutionen in der Welt 
geben, bis sie verwirklicht sind —: ,Das Land dem Land 
mann, das Werkzeug dem Arbeiter, die Arbeit für alle.' 
Im Kommunerat trat die soziale Frage verhältnis 
mäßig wenig hervor. Vier Wochen nach seinem Zu 
sammentritt stellte dies der Sozialist Arthur Arnould 
mit den Worten fest, man habe sich bisher mit den Ar 
beitern nicht genug vom sozialen Gesichtspunkt aus be 
schäftigt, vielmehr hauptsächlich vom militärischen, und 
das schien dem Redner nicht hinreichend. Wenn er 
die Aufmerksamkeit wieder auf die Arbeiterfrage lenkte, 
so mahnte er damit auch an die ersten guten Vorsätze der 
Kommune, die gleich nach ihrer Eröffnung am 29. März 
den Willen kundgetan hatte, der beeinträchtigten In 
dustrie, der eingestellten Arbeit, den gelähmten Handels 
beziehungen wieder aufzuhelfen. Am auf diesen Gebieten 
eine sozialistische Politik in die Wege zu leiten, war eine 
Kommission für Arbeit und Austausch, mit anderen 
Worten ei» Arbeitsministerium, eingerichtet worden, 
Die Mauer äer hlommuuaräen auf äem pere Lachaise in Paris
	        
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