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Die sozialen und revolutionären Bewegungen Die revolutionären Bewegungen der Jahre 1848/49

Full text: Die Befreiung der Menschheit / Ježower, Ignaz (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Die revolutionären Bewegungen der Jahre 1848/49 
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kapitalismus erreicht und als Gegenstück zur hochent 
wickelten Großindustrie den neuen breiten Stand der 
Lohnarbeiterschaft hervorgebracht. Gerade dadurch wurde 
die scheinbar moderne Form des parlamenta 
rischen Regiments in einem neuen Sinne 
reaktionär, insofern als die politische Macht 
von einer reich gewordenen Bourgeoisie 
ausgeübt wurde, die sich mit großer 
Eile den älteren und vornehmeren 
Ständen sozial anglich, während sie 
die politisch rechtlose Arbeiterschicht 
mit aller Folgerichtigkeit ohnmächtig 
erhielt. Kein Wunder also, daß bei 
einer solchen Sachlage die Kritik 
führender Geister sich nunmehr auf 
die Grundlage dieses gesamten so 
fehlerhaft konstruierten Aufbaus aus 
dehnte. Privateigentum, Erbrecht, Fa 
milie, Arbeitsvertrag wurden jetzt in 
Zweifel gestellt. Die mehr philanthropisch 
gerichteten Denker betonten die unwür 
digen Formen der Lebensbedingungen der 
neuen Arbeiterschicht in erster Linie — so 
schlechte Wohnung, ungesunde Nahrung, 
freudloses und schmutziges Dasein. Die mehr \ 
ökonomisch geschulten Denker protestierten 
aber gegen das bestehende Arbeitsverhält- 
mals, also vor 1848, wurden alle die Formeln geprägt, 
die später eine so gewaltige Bedeutung bekamen: Der 
„Mehrwert", die Organisation der Arbeit, die Befreiung 
des Proletariats; und auch alle Mittel wur 
den empfohlen: Produktionsgenossenschaften, 
Nationalwerkstätten, Kollektiveigentum, 
Achtstundentag, Generalstreik. Diese Ideen 
griffen nun unmittelbar nach dem Ge 
lingen der Iulirevolution in das prak 
tische politische Leben ein. 1832 bil 
dete sich in Paris eine soziale Re 
volutionspartei, die zuerst im Gegen 
satz zur Trikolore die rote Fahne an 
nahm. Sie rekrutierte sich in erster 
Linie aus gelernten Arbeitern, also 
bezeichnenderweise aus einer mehr 
gebildeten Schicht und stand ganz 
unter dem Eindruck einer Schrift über 
den Kommunistenaufstand von Grachus 
Babeuf (1793), die ein Überlebender, 
Buonarotti, geschrieben hatte. Hieran knüpfte 
ein Geheimbund an, der 1836 von Arbei 
tern und deutschen Flüchtlingen als der 
, „Bund der Gerechten", später Kommu- 
*ll\c*y nistenbund, gegründet wurde. Er wuchs 
bald zu einer großen Organisation an, 
die sich über ganz Europa verbreitete. Der 
INS überhaupt. Sie betonten das Mißverhältnis, das 
zwischen dem Wert der Arbeit und dem Arbeitslohn 
bestünde, und das dazu führte, daß der Kapitalist dem 
Arbeiter nur ein Existenzminimum liehe, um sich dafür am 
Arbeitser 
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reichern. 
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worden. Da 
Der russische Zar als Drahtzieher Luropas nach Anterärückung 
ckes polnischen Aufstanäes 
Deutsches Zpottbilä 
deutsche Schneider Weitling betrieb in der Schweiz die 
Propaganda; in Brüssel begründeten Karl Marx und 
Friedrich Engels eine Gruppe. In Paris wurde eine 
Zeitlang eine Zeitung der „Vorwärts" herausgegeben. 
Die revo 
lutionären 
deutschen 
Dichter Hei 
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räth, Her- 
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den mit die 
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in Fühlung. 
In den vier 
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ren wurde 
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Kommuni 
stenbundes 
nachLondon 
verlegt. 
Man sieht, 
wie verschie 
denartig die 
Richtungen 
schonwaren. 
Die soziale 
Kritik ver 
folgte schon 
jetzt zwei 
ganz ver 
schiedene 
Methoden. 
Die einen, 
wie etwa 
Louis Blanc,
	        
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