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Die sozialen und revolutionären Bewegungen Freiheitskämpfe und Freiheitsideen der englischen Revolutionszeit

Full text: Die Befreiung der Menschheit / Ježower, Ignaz (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Freiheite kämpfe und Freiheitsideen der englischen Revolutionszeit 
Mehrheit noch sehr gemäßigt, in deren Namen der 
Sprecher die Monarchie von allen Regierungssormen 
für die beste erklärte und jeden Gedanken an antimonar 
chische Stimmungen in der Nation weit von sich wies. 
Aber Karl l. nahm in seinem Dünkel noch den Stand 
punkt ein, überhaupt keine Kritik an der Regierung zu 
lassen zu wollen, da Könige wegen ihrer Handlungen 
nicht ihren Untertanen, sondern nur Gott verantwortlich 
seien. Es ist auch keine Frage, daß, als nun im November 
1640 das lange Parlament zusammenkam, auch schon 
Männer mit republikanischen Neigungen auf dem linken 
Flügel der puritanischen Majorität zu finden waren, und 
im ganzen war, der Volksstimmung gemäß, der Wille ent 
schiedener, mit 
dem Absolutis 
mus reinen 
Tisch zu machen. 
Darin ging auch 
die konservative 
Minderheit zu 
nächst mit der 
puritanischen 
Mehrheit Hand 
in Hand; Ein 
griffe ins Eigen 
tum und in die 
persönliche Frei 
heit, wie in den 
letzten Zeiten, 
wollte niemand 
mehr erleben, 
und so schaffte 
man alle denk 
baren gesetz 
lichen Siche 
rungen gegen 
die Wiederkehr 
von Monopo 
len, willkürli 
cher Zollerhe 
bung, Schiffs 
geldeintreibung und allen den anderen Attentaten auf 
den Geldbeutel oder Grundbesitz der Untertanen, räumte 
mit den Ausnahmegerichten auf und nahm richter 
liche Werkzeuge des Absolutismus aufs Korn. Vor 
allem aber galt es für notwendig, die Hauptratgeber 
der Krone zu strafen. Strassord in erster Linie, als 
der gefährlichste, wurde unter Hochverratsanklage ge 
stellt und dem Schafott zugeführt. Hierbei begann sich 
schon der Ansang einer konservativen Opposition zu 
zeigen. Doch herrschte gleichzeitig noch Einmütigkeit bei 
der Sicherung des Parlaments gegen plötzliche Aus 
schaltung. Nachdem schon bestimmt worden war, daß 
alle drei Jahre ein Parlament zu berufen sei, wurde 
jetzt das augenblickliche Parlament für nur mit seiner 
eigenen Zustimmung auflösbar erklärt. Es war eine 
revolutionäre Maßnahme, die bei der öffentlichen Mei 
nung Anklang finden konnte als Sicherheitsmaßregel 
gegen souveräne Plötzlichkeiten. 
Demnächst begannen sich die Geister erst ernstlich zu 
scheiden, Konservative und Puritaner immer mehr gegen 
einander sich zusammenzuschließen, jene sich an die Krone 
anzuschließen. Der Anlaß, aus dem sich die Konservativen 
der Anverträglichkeit ihrer Interessen mit denen der 
Parlamentsmehrheit klar bewußt wurden, war die Er 
örterung der Kirchenfrage. Die Puritaner gingen zum 
Angriff auf die Bischofskirche, ihre Verfassung, ihre 
Formen und auch ihren Besitz über. Die Bischöfe hatten 
auch in konservativen Kreisen Anstoß erregt durch zu große 
Willfährigkeit gegenüber der Krone. Aber die ang 
likanische Kirche war nicht nur ein monarchisches, sondern 
auch ein aristokratisches Institut. Die Pfründen wurden 
großenteils durch die Großgrundbesitzer als Patronats 
herren besetzt, die höheren Würden waren eine Ver 
sorgung für jüngere Söhne des Adels, die Zehnten zum 
guten Teil in weltlichen Händen. And wenn die Puri 
taner den verschwenderischen Wandel der Prälaten 
geißelten, so fühlte sich der Feudaladel getroffen. Anter 
dem „niede 
ren Sektentum" 
mit seinen ple 
bejischen oder 
gar proletari 
schen Selbst- 
ständigkeitsnei- 
gungen witterte 
man die Gefahr 
einer Pöbelherr 
schaft, und die 
sen Glauben be 
stärkten die vie 
len stürmischen 
Demonstratio 
nen besonders 
der proletari- 
schenVorstädter, 
die es schon seit 
den Tagen des 
kurzen Parla 
ments in beson 
ders erregten 
Momenten gab. 
Daß aber die 
Macht der Iun- 
kerpartei nicht 
zu unterschätzen 
sei, zeigte sich bei Gelegenheit der „großen Remonstranz" 
des Parlaments vom 2. November 1641, die vor allem eine 
parlamentarische Regierung verlangte, aber auch sonst dem 
König übel zusagte. Zu seinem Trost indes war sie nur 
mit ganz geringer Mehrheit durchgegangen, und das er 
mutigte ihn zu einem Versuch, mit einem Schlag alles 
verlorene Terrain wiederzugewinnen. Während gegen 
Neujahr 1642 in den Straßen Londons blutige Schläge 
reien zwischen demonstrierenden Volkshaufen und dem Ab 
hub des Krautjunkertums stattfanden - Rundköpfe und 
Kavaliere titulierten sie einander versuchte der König 
am 4. Januar 1642 einen Gewaltstreich gegen die Haupt 
führer der Parlamentsmehrheit, die er persönlich aus 
der Sitzung weg verhaften wollte. Aber er fand die Vögel 
ausgeflogen, und demnächst stand London zum Schutz 
des Parlaments unter Waffen. So zog Karl von dannen, 
nach ihm günstiger gesinnten Gegenden. 
Der Bürgerkrieg zwischen Königtum und Parlament, 
Kavalieren und Puritanern lag nunmehr in der Luft. 
Bis zum Ausbruch wurde ein lebhafter Papierkrieg ge 
führt. Das Parlament verlangte für sich nicht nur Be 
setzung der Ministerposten, sondern auch alleinige Leitung 
der inneren und äußeren Politik, Verfügung über die 
bewaffnete Macht, Lösung der Kirchenfrage. Dem- 
The House of Lommons 
Nach einem Zriche aus äem fahre 1648
	        
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