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Die sozialen und revolutionären Bewegungen Der Dreißigjährige Krieg

Full text: Die Befreiung der Menschheit / Ježower, Ignaz (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Der Dreißigjährige Krieg 
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katholisch, der Kaiser auch: gegen katholische hatte es poli- 
tische Interessen zu schützen, gegen evangelische katholische. 
Es verstand den Krieg auf die Pyrenäenhalbinsel zu werfen, 
Katalonien und Portugal gegen Spanien zu Hetzen, den 
Angarn Georg Rakoczi gegen den Kaiser zu empören, sich 
einen deutschen Herzog zu kaufen. Schweden und Fran 
zosen „arbeiteten" jahrelang getrennt und gemeinsam im 
Reiche. Sie drängten sich bis Wien. Ich tue keinem der 
so berühmten Feldherren 
den Gefallen, ihn beim 
Namen zu nennen, mö 
gen das die Generäle 
unter sich tun. Sie ar 
beiteten so lange, bis in 
Frankreich die Finanzen, 
die reichen Finanzen 
gründlich zerrüttet waren, 
der unterdrückte Adel und 
die Magistrate aufbegehr 
ten, — bis in Schweden 
eine gefährliche Anzu 
friedenheit unter den 
überlasteten, noch am 
Leben gelassenen Bauern 
sich regte, verbunden mit 
rebellischen Gelüsten ge 
gen den bevorzugten Adel. 
Man war gar nicht er 
schöpft, man hätte noch 
hundert Jahre kämpfen 
können, man war nur ge 
nötigt, den Bizeps für 
die innere Politik zu ver 
wenden. Da das Hirn 
längere Zeit nicht mehr 
gebraucht war, funk 
tionierte es bei den 
Friedensversuchen lange 
schlecht. Das Hirn ging 
an den Friedensschluß 
mit anämischer Zer 
fahrenheit heran. Man 
besann sich dutzendmal, 
fühlte noch einmal den 
ganzen Krieg durch, die 
ganze augenblickliche Si 
tuation, wartete auf die 
nächste; man probierte 
den Krieg auf der Zun 
genspitze, mit den bloßen Lippen, mit vollen Backen, 
spie ihn aus, schluckte ihn von neuem. 
* * 
* 
Es gibt vielerlei Kriege. Etwa, wenn Völker wie Sand 
massen ins Rutschen kommen und wandern. Wenn die 
Mohammedaner die Welt erobern zwischen Mekka und 
Spanien. Wenn Tschingiskhan Asien verläßt. Das hat 
Geschmack, Hintergrund, Perspektive. Mit diesem Ge 
dränge, Gereibe zwischen Frankreich, Dänemark, Habsburg, 
Schweden läßt sich wenig anfangen. 
Ich sage „Frankreich", das „Heilige Römische Reich", 
„Dänemark". Das ist Shakespearescher Brauch bekannt 
lich, der oder jener hat Gloster und heißt Gloster. Er hält 
fiii) aber auch dafür; da beginnt die Sache ihr witziges 
Gepräge zu verlieren. Er führt Kriege nicht für Gloster, 
sondern direkt als Gloster, er. Frankreich: Wer war aber 
Frankreich? Deutschland: Da war aus dem Hause Habsburg 
Ferdinand II. erwählter römischer Kaiser, in Germanien, 
zu Angarn, Böhmen, Dalmatien, Krain, Slavonien, Erz 
herzog zu Österreich, Herzog zu Burgund, Steiermark, 
Kärnten, Württemberg, inOber- und Niederschlesien, Mark 
graf zu Mähren, in der Ober- und Niederlausitz, Graf zu 
Habsburg, Tirol, Görz. Das hatte er alles, das war er, 
alle zwanzig Länder. Er 
hatte es einschließlich 
Mensch und Vieh, ein 
schließlich Glauben und 
Gedanken, denn cuius 
regio eius religio. And 
sie identifizierten sich alle 
samt sehr energisch und 
handgreiflich mit ihren 
Ländern. Das heißt, sie 
arrangierten die Ver 
hältnisse ihrer Länderund 
ließen sich von ihnen fürst 
lich aushalten. In Schwe 
den mußte man während 
der Kriegszeit durch meh 
rere Kirchensprengel rei 
sen, um einen gesunden 
Mann zu treffen, ganz 
Schweden hatte damals 
nur anderthalb Millionen 
Menschen, der König griff 
zu einer wüsten Münz- 
verschlechterung, er riß das 
Salz-, Getreide-, Kupfer 
monopol an sich, in Ost- 
und Westgotland nährten 
sich die Leute von Baum 
rinde und Eicheln. Jedoch 
war dies nichts gegen 
das, was in Böhmen 
unter dem Protektorat 
des deutschen Ferdinand 
geschah; es ist das gerade 
zu abenteuerliche Kapitel, 
in dem der Kaiser die 
Hauptrolle spielt, sofern 
er nämlich die Münze an 
ein wucherisches Konsor- 
tum verpachtete, das mit 
dem Pachtobjekt einen 
sogar für damalige Zeiten unerhörten Mißbrauch trieb. 
Sie produzierten das sogenannte lange Geld, das zu 
letzt jede Kaufkraft verlor, der Staatsbankerott trat 
ei», der höchste böhmische Adel einschließlich des kaiser 
lichen Statthalters, dazu der Kaiser hatten gewonnen. Im 
kaiserlichen Haushalt aber kamen einige Jahre später den 
Hofzahlmeistern Passierungsbefehle vor auf 150 000 Gul 
den für den Küchendienst, 114 000 für den Kellermeister 
dienst, 10 000 für de» Hoffuttermeister, 8000 für den Licht 
kämmerer. And als einmal der Kaiser zu einem Depu 
tationstag nach Regensburg fuhr, hatten die niederöster 
reichischen Stände zu zahlen 60 000 Gulden, der Erz 
bischof von Salzburg mußte ein Darlehen gewähren von 
l 000 000 Talern, die Stadt Regensburg, die sich zunächst 
energisch gegen den Tag gewehrt hatte, 30 000 Gulden, 
auf die böhmischen Kainmergefälle wurde ein Vorschuß
	        
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