Path:
Das Gebot der Stunde

Full text: Geschichte der U.S.P.D. / Prager, Eugen (Public Domain)

66 
Man sagt: das Wohl, die Verteidigung des Vaterlandes. 
Was ist das Wohl des Vaterlandes? 
Sollte es nicht das Wohl vieler Millionen bedeuten, der Millionen, die 
der Krieg zu Leichen, zu Krüppeln, zu Arbeitslosen und zu Bettlern, zu 
Witwen und zu Waisen macht? 
Wer gefährdet das Wohl des Vaterlandes? Sind es jene Männer, 
die jenseits der Grenze in anderer Uniform stecken, die so wenig wie 
Eure Männer den Krieg gewollt haben, noch wissen, weshalb sie ihre 
Brüder morden sollen? Neinl Gefährdet ist das Vaterland durch alle, 
die aus der Not der breiten Massen Reichtum schöpfen und ihre Herr 
schaft auf der Unterdrückung aufbauen. 
Wem nützt der Krieg? 
Nur einer kleinen Minderheit in jeder Nation. 
Den Fabrikanten von Flinten und Kanonen, von Panzerplatten und Tor 
pedobooten, den Werftbesitzern und den Lieferanten des Heeresbedai fs. 
Im Interesse ihres Profits haben sie den Haß unter den Völkern ge 
schürt und so zum Ausbruch des Krieges beigetragen. Der Krieg nützt 
den Kapitalisten überhaupt. Hat nicht die Arbeit der enterbten und aus- 
gebeuteten Massen Waren aufgehäuft, die jene nicht verbrauchen dürfen, 
die sie erzeugten? Sie sind ja arm, sie können nicht dafür zahlenl 
Arbeiterschweiß hat diese Waren geschaffen, Arbeiterblut soll 
ihnen neue Absatzmärkte im Ausland erkämpfen. Kolonialländer sollen 
erobert werden, wo die Kapitalisten die Schätze des Bodens rauben und 
billigste Arbeitskräfte ausbeuten. 
Nicht die Verteidigung des Vaterlandes, seine Vergrößerung ist der 
Zweck dieses Krieges. So will es die kapitalistische Ordnung, denn ohne 
die Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen 
kann sie nicht bestehen. 
Die Arbeiter haben durch diesen Krieg nichts zu ge 
winnen, wohl aber alles zu verlieren, was ihnen lieb 
und teuer ist! 
Arbeiterfrauen, Arbeiterinnen ! 
Die Männer der kriegführenden Länder sind zum Schweigen gebracht 
worden. Der Krieg hat ihr Bewußtsein getrübt, ihren Willen gelähmt, 
ihr ganzes Wesen entstellt. 
Aber Ihr Frauen, die Ihr neben der nagenden Sorge um Eure Lieben 
im Felde daheim Not und Elend ertragt, worauf wartet Ihr noch, um 
Euren Willen zum Frieden, Euren Protest gegen den Krieg zu erheben? 
Was schreckt Ihr zurück? 
Bisher habt Ihr für Eure Lieben geduldet, nun gilt es, für Eure Männer, 
für Eure Söhne zu handeln. 
Genug des M Ordens! 
Dieser Ruf erschallt in allen Sprachen. Millionen von proletarischen 
Frauen erheben ihn. Er findet Widerhall in den Schützengräben, wo das 
Gewissen der Volkssöhne sich gegen das Morden empört. 
Frauen des werktätigen Volkes! 
In diesen schweren Tagen haben sich Sozialistinnen aus Deutschland, 
England, Frankreich und Rußland zusammengefunden. Eure Nöte, Eure 
Leiden haben ihre Herzen bewegt. Um Eurer und Eurer Lieben Zukunft 
willen rufen sie Euch zum Friedenswerke auf. Wie über die Schlacht 
felder hinweg sich ihr Wille zusammenfand, so müßt auch Ihr Euch aus 
allen Ländern zusammenschließen, um den einen Ruf zu erheben:
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.