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Das wahre Gesicht des Krieges

Full text: Geschichte der U.S.P.D. / Prager, Eugen (Public Domain)

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Taktik gegen die offizielle Kriegspolitik der Partei anzuwenden sei. 
Diese Differenzen haben später zur Absplitterung der Spartakus 
kreise von der übrigen Opposition geführt. Karl Liebknecht und 
seine Freunde wollten sofort losschlagen, trotzdem vorerst nur 
geringe Kräfte zur Verfügung standen und man Gefahr lief, durch 
diese Voreiligkeit jede Opposition unmöglich zu machen. Wie die 
Nachfahren der Spartakusanhänger, die Kommunisten der verschie 
denen Spielarten, ohne jede Rücksicht auf die tatsächlichen Macht 
verhältnisse ihre Parolen hinausschleudern und dadurch die Aktions 
kraft der Arbeiterklasse schwächen, so wollte Liebknecht damals 
schon den offenen Kampf gegen den Krieg und die Kriegspolitik 
der Parteimehrheit aufnehmen, trotzdem jeder Kenner der Verhält 
nisse sich darüber klar sein mulzte, dafz solche Putschpolitik die 
Sache der Opposition nur aufs schwerste geschädigt hätte. 
In einem Artikel des Kopenhagener „Sozialdemokraten" vom 
1. Novemher wurde über die Stimmung in Deutschland 
festgestellt: „Die Arbeiter fangen an, den Frieden herbeizusehnen, 
und sie verstehen schon, dafz aus diesem Frieden durch Siege auf 
dem Schlachtfeld nichts werden wird, sondern allein durch den Sieg 
der Demokratie und des Sozialismus." Soweit es unter dem Zwang 
der Zensur überhaupt möglich war, kam diese Stimmung im „Vor 
wärt s", dem Zentralorgan der Partei, zum Ausdruck. Das war nun 
den patriotischen Kreisen, die neben der Mehrheit des Partei 
vorstandes auch die Generalkommission der Gewerk 
schaften Deutschlands bildete, gar nicht recht. Zwar 
hatten die Gewerkschaften bis zum Kriegsausbruch den Schein zu 
wahren gesucht, als ob sie parteipolitisch neutral seien. Aber jetzt 
schworen die Generalkommission und die Mehrzahl der Gewerk 
schaftsvorstände feierlich den Klassenkampf ab und ergaben sich 
mit Herz und Hand der glorreichen Führung Wilhelms und seiner 
Paladine. Und deshalb war ihnen die Haltung des „Vorwärts" ein 
Scheuei und ein Greuel. Es kam zu scharfen Auseinandersetzungen 
in internen Sitzungen. Im Anschluß daran veröffentlichte die P r e 1z- 
kommission des „Vorwärts" am 24. November folgende 
Erklärung: 
Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands hat in Nr. 47 
des Korrespondenzblattes Vorgänge aus einer internen Besprechung, die 
zwischen dem Parteivorstand, der Generalkommission und der Redaktion 
des „Vorwärts“ stattgefunden hat, der Oeffentliclikeit übergeben. Wir 
sehen von einer ausführlichen Erörterung der Angelegenheit unter den 
gegenwärtigen Verhältnissen ab und wollen nur Folgendes bemerken: 
Die Generalkommission gibt als Hauptpunkte der vorgetragenen 
Beschwerden Folgendes an: 
1. Der „Vorwärts“ soll die Interessen der deutschen Partei gegen An 
griffe sozialistischer Parteien des Auslandes vertreten. 
2. Der „Vorwärts" soll sich in seinen Berichten über Greuel, Ver 
wundeten- und Gefangenenbehandlung der grölzten Objektivität be- 
fleifzigen. 
3. Der „Vorwärts“ soll mehr wie bisher den sozialen und wirtschaft 
lichen Fragen seine Aufmerksamkeit widmen. 
4. Der „Vorwärts“ soll dem Chauvinismus, dem Hurrapatriotismus 
und allen Annexionsgelüsten entgegenarbeiten, wie es auch der Partei-
	        
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