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Das Werk von Moskau

Full text: Geschichte der U.S.P.D. / Prager, Eugen (Public Domain)

liefe sich von ihnen berichten, dafe ihr Trachten nur darauf eingestellt 
sei, die Republik und deren Regierung zu schützen. Wenige Stunden 
später waren die Mannen des Korvettenkapitäns Ehrhardt, die Lands 
knechte aus dem Baltikumabenteuer und ähnliche Elemente, die 
durch Noskes Fürsorge Zeit und Mittel erhalten hatten, sich auf neue 
Taten zu rüsten, in den Berliner Regierungsgebäuden und die 
Herren Ebert, Noske und ihre Kollegen aus der Regierung mufeten 
Hals über Kopf aus der Reichshauptstadt entfliehen. Die rechts 
sozialistische Politik hatte zum zweitenmal ihren 
Bankrott erlitten. Der Noskekurs, der zur Bewaffnung der Gegen 
revolution, zur Wiederaufrichtung des Militarismus geführt hatte, 
war schwächlich zusammengebrochen. Nun stand die ganze Arbeiter 
klasse einmütig und geschlossen auf, um sich diejenigen Rechte zu 
sichern, die zur Durchführung ihrer Ansprüche notwendig waren. 
Arbeiter, Angestellte und Beamte, gleichviel welcher Partei sie an 
gehörten, sie alle traten in den Generalstreik ein, ohne dafe 
dafür eine besondere Vorbereitung notwendig gewesen wäre. Und 
nun galt es, diese Situation für das Proletariat nutzbar zu machen. 
Wenn eine einheitliche politische Führung der Arbeiterklasse da 
gewesen wäre, mit einem bestimmten Ziele und mit einem einheit 
lichen Willen, so wäre damals manches erreicht worden. Die Kom 
munisten aber gaben zuerst die Parole gegen den Generalstreik aus 
und liefeen erst, als sie merkten, dafe kein Mensch auf sie hörte, von 
ihrer Tölpelhaftigkeit ab. Und die Rechtssozialisten glaubten die 
Bewegung dahin deuten zu können, dafe sie aus der Sorge um die 
damalige Regierung entstanden sei. So erklärt es sich, dafe die 
Leitung des Gewerkschaftsbundes sich an die Spitze der Bewegung 
stellen und ihr einen ihr gemäfeen Stempel aufdrücken konnte. Sie 
stellte eine Reihe von Forderungen auf, ihre berühmten acht 
Punkte, die ohne Zweifel zur Reinigung des politischen Lebens 
geführt und der Arbeiterschaft den ihr gebührenden Platz zugewiesen 
hätten, wenn sie durchgeführt werden wären. Das scheiterte auf der 
einen Seite an der Passivität der rechtssozialistischen Partei und auf 
der anderen Seite an der von den Kommunisten und dem sogenann 
ten linken Flügel der Unabhängigen Partei gepredigten Enthaltsam 
keit von allem wirklichen politischen Einflüsse. So kam es, dafe die 
Bewegung, die so prachtvoll einsetzte und eine so erfreuliche Einheit 
zeigte, schliefelich im Sande verlief, ohne bedeutende Spuren zu 
hinterlassen. Der einzige Leidtragende war Noske, dessen Dasein 
als Wehrminister mit dem Kapp-Putsch beendet war; das hat seine 
Partei nicht daran gehindert, ihn für seine Verdienste um die Gegen 
revolution mit einer oberpräsidialen Pfründe zu belohnen. 
Der Kapp-Putsch zitterte ncch einige Wochen lang im Ruhr 
revier und in Mitteldeutschland nach. Im Westen war 
es den Arbeitern aller Richtungen gelungen, die Freikorps aus dem 
Felde zu schlagen und sich mit Waffen zu versehen. Sie hielten 
den ganzen Bezirk besetzt und stellten eine ansehnliche Macht vor. 
Aber die Bewegung war isoliert, und es war leicht vorauszusehen, dafe 
sie in einem Blutbade enden würde, wenn sie nicht rechtzeitig abzu 
brechen war. Schon rüstete sich die Reichswehr, um mit ihren alten 
Methoden noch einmal die Niederwerfung der Arbeiterschaft zu ver 
suchen. In die Bewegung selbst hatten sich anarchistische Elemente
	        
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