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Der Kampf um den Frieden

Full text: Geschichte der U.S.P.D. / Prager, Eugen (Public Domain)

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gebrochen, können die Beziehungen der Völker zueinander für die 
Dauer friedlich gestaltet werden. 
Wir fordern die vollste Freiheit des internationalen 
Handels und Verkehrs sowie die unbeschränkte inter 
nationale Freizügigkeit zur Entfaltung der Produktivkräfte 
der Welt und zur Annäherung und Verbindung der Völker. 
Wir verwerfen die wirtschaftliche Absonderung oder gar den Wirt 
schaftskampf der Staaten. Zur Schlichtung aller Streitigkeiten zwischen 
den einzelnen Staaten ist das internationale Schiedsgericht 
obligatorisch zu machen. 
Wir fordern internationale Verträge zum Schutz der Arbeiter 
vor Ausbeutung, insbesondere zum Schutz der Kinder und Frauen, gemäß 
den Grundsätzen der internationalen Sozialdemokratie. Mit der gewaltig 
gesteigerten Verwertung der Frauenkraft im gesellschaftlichen Pro 
duktionsprozeß ist die Zuerkennung voller politischer Rechte 
an die Frauen eine soziale Notwendigkeit geworden. Unerläßlich ist 
die Anerkennung der Gleichberechtigung für alle Ein 
wohner eines Staates, ohne Rücksicht auf Staatszugehörigkeit, Sprache, 
Rasse, Religion. Das schließt ein den Schutz der nationalen 
Minderheiten zur Betätigung ihres nationalen Lebens. 
Die nationale wie die soziale Befreiung der Völker 
kann nicht das Werk eines Krieges der Regierungen, sondern nur das 
Werk der Demokratie sein, für deren volle Durchführung die Völker 
unablässig den nachdrücklichsten Kampf zu führen haben. Die Ueber- 
wachung der auswärtigen Politik der Regierungen durch die 
Demokratie eines jeden Staates wird zur Verhütung aggressiver Schritte 
führen. Die Geheimverträge sind abzuschaffen. Alle Staatsver- 
träge sind fortan von der Zustimmung der Volksvertretungen abhängig 
zu machen. 
Die Aera großer innerer Umwälzungen, vor der wir stehen, 
wird die Lösung der vielen Probleme zeitigen, die der Krieg aufgeworfen 
oder verschärft hat. Diese Fragen sollen aber nicht durch Krieg und 
Kriegsglück entschieden werden. Das Uebel des Weltkrieges ist viel 
größer als die Uebel, die er nach der Meinung der Kriegspolitiker 
heilen soll. 
Ohne die Staatsgrenzen, die das Ergebnis von Eroberungen sind 
und vielfach im Widerspruch zu den Bedürfnissen der Völker stehen, als 
unantastbar zu betrachten, lehnen wir den Krieg überhaupt und also auch 
seine Verlängerung als Mittel zur Regelung der Staatsgrenzen ab, 
Grenzänderungen müssen an die Zustimmung der davon betroffenen Be 
völkerung gebunden werden, dürfen nicht aufgezwungene Gewaltakte 
sein. 
Jeden Versuch, irgend ein Volk in irgend einer Form zu vergewaltigen, 
weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück. 
Seit Beginn des Krieges fordern wir konsequent einen Frieden 
ohne Annexionen und Kontributionen auf Grund des 
Selbstbestimmungsrechts der Völker. Unvereinbar mit 
den sozialdemokratischen Grundsätzen ist jene Auffassung, die, aus 
militärischem Denken und nationalistischer Machtpolitik entsprungen, die 
Stellung zu einem Problem von der jeweiligen Kriegslage abhängig 
macht und deshalb in den verschiedenen Stadien des Krieges zu einer 
verschiedenen Beurteilung einer und derselben Frage gelangt. 
Unsere Aufgabe ist es nicht, für alle Einzelfragen, die beim Friedens 
schluß eine Rolle spielen werden, hier ein Programm aufzustellen. 
Ueber die Fragen jedoch, die im Mittelpunkt der Erörterungen stehen, 
erklären wir schon heute folgendes:
	        
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