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Die Zerreißung der Partei

Full text: Geschichte der U.S.P.D. / Prager, Eugen (Public Domain)

sind nun wie in den anderen Ländern so auch bei uns berufen, darauf zu 
dringen, dafz dem materiellen und moralischen Elend des Krieges, in das 
sie wider ihren Willen gestürzt sind, ein Ende gemacht wird, dalz ein 
Friede zustande kommt, der der Verbrüderung der Völker die Wege 
ebnet,“ 
Es kam so, wie die Opposition vorausgesagt hatte: Das Friedens 
angebot wurde abgelehnt, der Krieg ging weiter, und er wurde mit 
noch grölzerer Erbitterung als bisher geführt. Bald folgte der ver 
stärkte U-Boot-Krieg, der auch die Vereinigten Staaten von 
Amerika und fast alle die bisher noch nicht am Kriege beteiligten 
Staaten in das Gemetzel hineinrilz. 
Aber auch die Instanzenmehrheiten führten ihren Krieg gegen 
die Opposition mit verstärkten Mitteln fort. Dem Gewalt 
streich gegen den „Vorwärts" folgten zahllose andere Zeitungsraube 
in der Provinz. Ueberall wurden die oppositionellen Genossen aus 
der Partei hinausgedrängt. Es würde zu weit führen, wenn wir alle 
Einzelheiten aus den Drangsalierungen, deren sich die Opposition 
nicht nur durch die Instanzenmehrheiten, sondern auch durch die 
militärischen und zivilen Gewalten ausgesetzt sah, darstellen wollten. 
Sie ähnelten sich wie ein Ei dem anderen, sie waren höchstens in 
der Art ihrer Ausübung ein wenig voneinander verschieden. Genug, 
es drängte sich den oppositionellen Kreisen in der Partei immer mehr 
die Notwendigkeit auf, der Gewalt sich nicht durch vereinzelte 
Aktionen zu erwehren, sondern sich ihr geschlossen ent 
gegenzustemmen. 
Zum 7. Januar 1917 wurden die Vertrauensleute aller Richtungen 
der Opposition zu einer Konferenz nach Berlin zusammenberufen. 
Die Organe der Mehrheit suchten diese Tagung von vornherein 
dadurch zu diskreditieren, dalz sie meinten, nach dem Friedens 
angebot der Mittelmächte sei doch eigentlich jede Opposition gegen 
die deutsche Kriegspolitik hinfällig geworden, und jetzt müsse das 
gesamte deutsche Volk wie ein Mann hinter Wilhelm II. stehen. Was 
dazu zu sagen war, das hatte die Kundgebung der Arbeitsgemein 
schaft bereits ausgeführt. Der Gegensatz zwischen den Instanzen 
mehrheiten und der Opposition trat immer stärker hervor. Der 
Parteivorstand veröffentlichte eine Erklärung, worin er behauptete, 
dalz die Konferenz im Widerspruch stehe zum Organisationsstatut 
der Gesamtpartei und mit der organisatorischen Einheit unvereinbar 
sei. Von unberufenen Parteigenossen werde versucht, Parteiorganisa 
tionen und deren Mittel in den Dienst einer Sondergruppe zu stellen, 
und es werde ihnen geraten, dieses parteizerstörende Treiben nicht 
zu unterstützen. Die Genossen Haase, Ledebour, Vogtherr als Ein- 
berufer der Konferenz stellten demgegenüber fest, dalz der Partei 
vorstand zum Zwecke der falschen Orientierung der Parteigenossen 
aus dem Einladungszirkular den vom Zweck der Besprechung han 
delnden Teil weggelassen habe. Dieser lautete: 
„Es handelt sich um die Taktik der oppositionellen A b - 
f eordneten im Reichstag und um Malzregeln zum Schutze 
es Parteistatuts und der Organisationen, sowie um die 
Sicherung der Eigentumsrechte der Parteigenossen an ihren Zei 
tungen."
	        
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