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Der 9. November

Full text: Der 9. November / Stampfer, Friedrich (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Ist mit diesem Verlangen die Diktatur eines Teiles einer Klasse gemeint, 
hinter dem nicht die Volksmehrhcit steht, so müssen wir diese Forderung 
ablehnen, weil sie unseren demokratischen Grundsätzen widerspricht. 
3. Ausschluß aller bürgerlichen Mitglieder aus der Regierung. 
Diese Forderung müssen wir ablehnen, weil ihre Erfüllung die 
V o l k s e r n ä h r u n g erheblich gefährden, wenn nicht unmöglich machen 
würde. 
4. Die Beteiligung der Unabhängigen gilt nur für drei Tage, als 
ein Provisorium, um eine für den Abschluß des Waffenstillstands 
fähige Regierung zu schaffen. 
Wir halten ein Zusammenwirken der sozialistischen Richtungen mindestens 
bis zum Zusammentritt der Konstituante für erforderlich. 
5. Die R e f f o r t m i n i ft e r gelten nur als technische Gehilfen des 
eigentlichen und entscheidenden Kabinetts. 
Dieser Forderung stimmen wir zu. 
6. Gleichberechtigung der beiden Leiter des Kabinetts. 
Wir find für die Gleichberechtigung aller Kabinettsmitglieder, indessen 
hat die konstituierende Versammlung darüber zu entscheiden. 
Am 10. November vormittags erschien dann eine Abordnung der 
Unabhängigen, um folgende Antwort ihres Vorstandes zu überbringen: 
Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei ist bereit, um die revolu 
tionären sozialistischen Errungenschaften zu festigen, in das Kabinett unter 
folgenden Bedingungen einzutreten: 
Das Kabinett darf nur aus Sozialdemokraten bestehen, die als Volks 
kommissars gleichberechtigt nebeneinander stehen. 
Für die Fachminister gilt diese Beschränkung nicht; sie sind nur technische 
Gehilfen des entscheidenden Kabinetts. Jedem von ihnen werden zwei Mit 
glieder der sozialdemokratischen Parteien mit gleichen Rechten zur Seite ge 
geben, aus jeder Partei einen. 
Eine Fristbestimmung wird an den Eintritt der Unabhängigen Sozial 
demokraten in das Kabinett, in das jede Partei drei Mitglieder entsendet, nicht 
geknüpft. 
Die politische Gewalt liegt in den Händen der Arbeiter- und Soldaten- 
räte, die zu einer Vollversammlung aus dem ganzen Reiche alsbald zusammen 
zuberufen sind. 
Die Frage der konstituierenden Versammlung wird erst nach einer Kon 
solidierung der durch die Revolution geschaffenen Zustände aktuell und soll 
deshalb späteren Erörterungen vorbehalten bleiben. 
Für den Fall der Annahme dieser Bedingungen, die von dem Wunsche 
eines geschloffenen Auftretens des Proletariats diktiert find, haben wir unsere 
Mitglieder Haase, Dittmann und Barth in das Kabinett delegiert. 
Mit diesen Vorschlägen erklärte sich der sozialdemokratische Partei- 
vorstand im Interesse der Einheit der proletarischen Bewegung und 
angesichts der Not des Landes einverstanden. Das Kabinett Ebert- 
Schcidemann-Landsberg-Haase-Dittmann-Barth trat noch am selben Tage 
zu seiner ersten Sitzung zusammen-. 
Eine Versammlung der A.- und S.-Räte Berlins im Zirkus Busch 
am 10. November erklärte sich mit dieser Regierungsbildung, die durch 
Vereinbarung der Vorstände der beiden sozialdemokratischen Parteien
	        
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