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Der 9. November

Full text: Der 9. November / Stampfer, Friedrich (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Ls wird nicht geschossen! 
Der Reichskanzler hat angeordnet, daß seitens des Militärs von der 
Waffe kein Gebrauch gemacht werde. 
An der Spitze derselben Extraausgabe stand aber die folgende Mit 
teilung: 
Der Kaiser hak abgedankt! 
Der Reichskanzler hat folgenden Erlaß herausgegeben: 
Seine Majestät, der Kaiser und König, haben sich ent 
schlossen, dem Throne zu entsagen. 
Der Reichskanzler bleibt noch so lange im Amte, bis die mit der Ab 
dankung Seiner Majestät, dem Thronverzicht Seiner Kaiserlichen und König 
lichen Hoheit des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen und 
der Regentschaft verbundenen Fragen geregelt sind. Er beabsichtigt, 
dem Regenten die Ernennung des Abgeordneten Ebert zum 
Reichskanzler und die Vorlage eines Gesetzentwurfs wegen der Aus 
schreibung allgemeiner Wahlen für eine verfassunggebende deutsche National 
versammlung vorzuschlagen, der es obliegen würde» die künftige Staatsform 
des deutschen Volkes, einschließlich der Volksteile, die ihren Eintritt in die 
Reichsgrenzen wünschen sollten, endgültig festzustellen. 
Berlin, den 9. November 1918. Der Reichskanzler. 
Prinz Max von Baden. 
Inzwischen waren die Abgeordneten E'bert, Scheid.emann 
l-nd Otto D r a u n sowie die Mitglieder des Zwölferausschusses B r o - 
l a t und Heller nach dem Kanzlerhause entsendet würden. Das Ka 
binett war versammelt. Ebert erklärte, die Zeit sei gekommen, wo das 
arbeitende Volk seine Geschicke selbst in die Hand nehmen wolle. Es wolle 
die volle Demokratie zur Geltung bringen und wisse die ungeheure 
Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. Nur so sei die Katastrophe noch 
zu vermeiden. Die ganze Berliner Arbeiterschaft habe die Arbeit nieder 
gelegt, und ein großer Teil der Garnison sei zu ihr übergegangen. Der 
Reichskanzler fragte Ebert, ob er glaube, die Aufrechterhaltung der Ord 
nung verbürgen zu können, was Ebert bejahte. Während der Verhand 
lungen wurde mitgeteilt, daß der Kaiser zurückgetreten sei. In Wirklich 
keit eilte die Nachricht den Tatsachen voraus, in Spaa herrschte Rat- und 
Hilflosigkeit, während die Stunde raschestes Handeln verlangte. 
Die Beratung des alten Kabinetts dauerte kaum eine Viertelstunde. 
Das Ergebnis war sein Rücktritt und die Uebergabe der Befug 
nisse des Reichskanzlers an Ebert. 
Als die Abordnung sich anschickte, das Reichskanzlerpalais zu ver 
lassen, erschienen die Unabhängigen Dr. Oskar Cohn, Dittmann und 
Vogtherr. Ebert schlug ihnen die Bildung eines paritätischen Kabinetts 
vor, wobei zu Fachministern linksstehende Persönlichkeiten der bürger 
lichen Parteien ernannt werden könnten. Deutschland solle eine Republik 
sein mit tiefgehenden sozialen Reformen und dem Ziel, eine sozialistische 
Republik zu werden. Damit waren die Unabhängigen einverstanden, sie 
erklärten jedoch, daß sie nicht bevollmächtigt seien, im Namen des Zen 
tralvorstands zu sprechen, der zurzeit nicht versammelt sei. Sie erbaien 
sich wieder >bis 4 Uhr nachmittags Bedenkzeit.
	        
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