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Berlin

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Berlin. 
nichts inehr zu kauen kriegen, dann gibt es ,Saures' für ihn" 
— mit der entsprechenden Haudbeweguug —, „dann bringen 
wir dem seine persönliche Freiheit schon bei." „Und über 
haupt," sagte ein anderer, „wenn die Arbeiter gezwungen 
werden, dann können sie sich als Sozialisten nicht beklagen. 
Sozialismus ist doch etwas mit der Gesellschaft. Und die 
Eisenbahn ist doch für die ganze Gesellschaft da " und 
so weiter in etwas unklarer Auffassung des Begriffes „Sozia 
lismus". 
Wir rückten „friedellsmäßig" in die Stadt und besetzten 
die Bahnhöfe, unser Regiment den Stettiner lind die Güter 
bahnhöfe in Pankow. 
Ich fuhr in einer Pferdedroschke zum Regimentsstabs 
quartier voraus, das in einem Hotel dem Bahnhof gegen 
über sein sollte. Die Droschke bog mit scharfer Rechtswendung 
auf das Brandenburger Tor zu und rollte durch den Stein 
bogen hindurch. Uud ich sagte wehmütig zu meinem Kame 
raden, daß ich mir den kriegerischen Einzug in Berlin wohl, 
solange wir im Felde lagen, etwas anders vorgestellt hätte. 
Es war genau an dem Tage, als man in Versailles den 
traurigen Frieden unterschrieb. 
Ich schämte mich etwas in meinem kriegsmäßigen Aufzuge 
und legte den Stahlhelm und die Pistole unter den Sitz. 
Hinter dem Tor stand auf erhöhter Steinplatte der Wacht 
posten in der neuen grünen Uniform der militärischen Sicher- 
heitsmanuschaft (später wurde Polizei daraus) und machte 
eine tadellose Ehrenbezeugung. Wir beide sahen Ulis in 
die Augen. 
Das Quartiermacheu war gar nicht so leicht. „Alles voll!" 
Am Vormittag schon . . . „Vielleicht nebenan." Jedes Hotel 
suchte einen los zu werden. Für einen einquartierten Offizier 
wurde nämlich nicht der volle Zimmerpreis bezahlt, solidern
	        
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