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München

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

München. 
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Sonst handelte es sich bei den Postenschießereien meistens 
um Dummejungenstreiche von beiden Seiten. Die jungen 
Soldaten, die noch nicht im Felde gewesen waren, litten an 
Nervosität. Beim Vergleich der Nachtmeldungen konnte ich 
einmal feststellen, daß zwei Wachen in Unkenntnis sich gegen 
seitig beschossen hatten. 
* -i- 
* 
Die Hauptaufgabe für die Truppe war, nachdem Ruhe 
eingetreten war, die vollständige Entwaffnung der Bevölkerung. 
Auch in den Kampftagen hatte man schon damit begonnen. 
Es kam viel Unsinn dabei heraus, und viel Härten ließen 
sich schlecht vermeiden. Ja, wenn mehr Feldgraue dagewesen 
wären oder die Stadt nur ein Zehntel so groß, wenn die 
Suchpatronillen aus untadeligen Gendarmen bestanden hätten 
oder wenigstens aus Soldaten von 1914! 
Das Oberkommando klebte Anschlagzettel an die Mauern: 
Warnung! Alle Waffen sind sofort abzuliefern. Wer mit 
den Waffen in der Hand ergriffen wird, wird erschossen! 
Was sollte da ein Bürger mit durchschnittlichem Menschen 
verstand machen? Abliefern, aber wie? Nahm er das Ge 
wehr unter den Arm, um zur Waffensammelstelle zu gehen, 
wurde er von einer zufällig ins Haus dringenden Patrouille 
schon auf der Treppe totgeschossen; kam er bis zur Haustür 
und öffnete sie, schoß alles auf ihn, weil er bewaffnet war; 
wurde er so auf der Straße gefaßt, stellte man ihn an die 
Mauer. Nahm er das Schießgewehr unter den Rock, war 
die Sache noch schlimmer. Hob er es hoch mit dem Kolben 
nach oben zum Zeichen friedlicher Absichten, hätte ihm doch 
keiner getraut, und seül Leben oder seine Freiheit war noch 
nicht sicher. Das war eine böse Zwickmühle, in der manch 
einer geschwitzt hat.
	        
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