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München

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

München. 
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Die Vorschrift war eigentlich so, daß wir bei keinem 
Zivilisten Waffen dulden sollten. Das ist an sich eine völlig 
richtige Maßnahme, sonst kann man überhaupt nicht mehr 
hindurchfinden, und alles schießt sich gegenseitig an oder ver 
wandelt sich bei Gefahr in die Gegenpartei. Hier konnte 
man aber nicht anders handeln; es sah doch ziemlich brenzlich 
aus in München am Nachmittag des 1. Mai, und man freute 
sich über die Hilfe. 
Es sollten übrigens auch auf der Gegenseite eine Menge 
„feiner" Leute am Gefecht beteiligt sein. 
Zur Sicherung des Schwabinger Stadtteils gingen einzelne 
Kompagnien ab, und es wurden Patrouillen von Zugstärke 
eingeteilt. Die Zufahrtsstraßen zum Gymnasium wurden 
mit Stacheldraht gesperrt und die Maschinengewehre in Stel 
lung gebracht. Der Troß fuhr heran und spannte aus. Die 
Feldküche dampfte. Der Fernsprecher rief in taube Ohren, 
Meldungen oder Befehle blieben aus. 
Man hatte Zeit, sich die Quartiere anzusehen. Das muß 
man sagen, unsere Vorgänger, das Bataillon „Rote Garde", 
das da gelegen hatte, war sauber gewesen,'? Seine Mitglieder 
schienen meistens bei ihren Familien genächtigt zu haben, 
denn Schlafgelegenheit war wenig zu sehen. Sonst war alles 
recht ordentlich, Schilder an den Türen, an der Wandtafel: 
„Hoch lebe unser Gruppenführer", Eßnäpfe mit Bohnensuppe 
und Kommißbrotstücken auf den Tischen. Gewehre und Aus 
rüstungsstücke lagen in Mengen umher, Patronen und Hand 
granaten in kleinen Haufen. Auch alte Donnerbüchsen mit 
Weichbleikugeln und vorweltliche Schleppsäbel wurden er 
beutet. Als Zeichen besonderer Niedertracht ging ein Päckchen 
mit Dum-Dumgeschossen mit abgeknipsten Spitzen von Hand 
zu Hand. 
Im Erdgeschoß lag die Bataillonskammer, wo ein Mann
	        
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