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Braunschweig

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Braunschweig. 
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Sie waren aus Braunschweig gekommen und hatten „den 
Bahnhof besetzt". Ein entlassener übelbelenmdeter Bahn 
arbeiter führte den Zug der Roten. Der Assistent, der Dienst 
hatte, zog den Stöpsel aus den: Klappenschrank und verschwand 
durch die Hintertür. So war der Bahnhof kampflos genommen. 
Um diese wichtige Tatsache dem Hauptquartier in Braunschweig 
mitzuteilen, wurde in alle Mundstücke hineingesprochen und 
an allen Hebeln und Kurbeln gedreht — aber Braunschweig 
hörte nichts. 
Da holte man den weißhaarigen Vorsteher aus seiner 
Wohnung. „Du Verräter hast die Drähte zerschnitten, nieder 
mit dir!" Und sie warfen ihn zu Boden, schlugen ihm Löcher 
in den Kopf, traten ihm ins Gesicht und brachen ihm die 
Rippen. — Ich erwähne das nur, um meine Behauptung 
zu stützen, daß nicht jeder Kommunist ein Menschenfreund 
und reiner Idealist ist. 
Eine Stunde später lief der erwähnte übelbeleumdete 
Bahnarbeiter, den man in einem Dorfe versteckt aufgetan 
hatte, an den Steigbügel gebunden, neben einem Pferde her. 
Es gibt doch uocf) eine Gerechtigkeit; er wird wohl vier 
Wochen Gefängnis bekommen haben. 
Wir zogen singend auf der Landstraße, Hügelauf, hügelab 
zwischen den Obstbaumreihen mit ihren quellenden Knospen, 
den fernen, im Morgendunst ragenden Stadttürmen zu. 
Wie im Mittelalter das Bild, wenn die Landsknechte 
sich aufmachten zur Balgerei um eiue rebellische Feste. Die 
haudfesten Leute mit den schmutzigen Gesichtern unter der 
Eiscuschaller vor die Minenwerfer gespannt, das sah aus 
wie die Schwarzkünstler der heiligen Barbara mit ihren 
Kartaunen und Feldschlangen. 
Ich kenne die Braunschweiger Gegend. Dort auf jenem 
Hügel haben die Pfähle znm Brennen der Hexen gestanden.
	        
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