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Braunschweig

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Braunschweig. 
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Seiten — so hatte er schon mehrere Städte ohne Flinten 
schuß besetzt. Eine Schlinge, die man zuzieht. 
Der Zug hielt in Schandelah. Durch die Scheiben sah 
man Lanzenreiter, im Moudlicht gespenstig verzerrt, und auf 
den Straßen und Wegen schnaubte und klirrte es in der 
Stille der Nacht. 
Ich wurde hinübergeschickt, um Verbindung aufzunehmen 
und erfuhr, Daß das Freikorps Lützow unser Nachbar war. 
Die Lützower standen neben ihrem Gepäck und erwarteten 
den Vormarsch. Keiner schlief. Sie waren etwas blutdürstig, 
weil bei ihnen am Morgen der Hauptmann Koch gefallen war. 
Unser Ausladen in Schandelah war ein Hauptstück für 
sich. Es erwies sich klar, daß die Truppe noch kein richtig 
zusammengeschweißter und eingespielter Verband war. 
Eine Rampe, wo die Wagen und Pferde heruntergeführt 
werden können, fehlte. Hier war ein Bahnsteig und offene 
Strecke. 
Wat sin möt, dat möt sin. Also half es nichts. Befehl 
an unsere Pionierkompaguie: „Rampe bauen." Die Pioniere, 
die im Felde nur dauerhafte Arbeit geliefert hatten, bewährten 
sich. Sie hoben vor der Bahnsteigsperre Gruben aus, als ob 
sie ein Braunkohlenwerk anlegen wollten, wuchteten eiserne 
Masten aus, rissen den halben Bahnhof ab und meldeten 
dann strahlend: „Befehl ausgeführt, Rampe fertig." 
Die großen Packwagen vom ersten O-Wagen rollten herunter 
auf den Bahnsteig, die Feldküchen voiu zweiten auf den ersten 
und herab zum ebenen Boden. Beim dritten Wagen mußte 
man schon ein Bremserhäuschen opfern, um freien Weg zu 
haben. Da man aber allmählich einsah, daß man nicht alle 
Bremserhäuschen und Seitenwände des Zuges abbauen 
konnte, und es sich auch herumgesprochen hatte, daß wahr 
scheinlich die Packwagen keinen Durchweg durch den Warte
	        
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