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Auftakt

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

22 Auftakt. 
Auf die Straße kommt man atemlos, mit dem Taschentuch 
an der nassen Stirn. — 
Ohne Tritt, marsch! Richtung Bahnhof! 
Unterwegs kommt eine Arbeiterabteilung mit Gewehren.— 
Dicht heran! Ein Menschenknäuel, Durcheinanderquirlen 
von Hüten, Matrosenmützen, Armen, Gewehrläufen — und 
die gegenkomntuilistische Bewegung hat Waffen. 
Die Überrumpelung der Bahnhofsbesatzung war leicht. 
Ich ging zum Abendessen in der beruhigenden Hoffnung, 
daß morgen die segensreiche Himmelstochtcr, die Ordnung, 
wieder obenauf sein würde in der verstörten Stadt. Die Er 
füllung der Pflicht des Abendessens war schwer, weil das 
Gewehrgeknatter draußen, durch den Widerhall an den Häusern 
vervielfältigt, mit der Zeit anfing, an die richtige Front zu 
erinnern. 
Da ließen wir uns nicht mehr von den jungen Mädchen 
am Rockschoß halten und gingen mit Heldenbewegungen 
hinaus, wenn auch unsere Mitwirkung nicht mehr durchaus 
notwendig schien. 
So sind die Männer. 
Ich bekam am Auto ein (nicht mal laufverrostetes) Ge 
wehr und Patronen und marschierte mit guter Gruvpen- 
fchwenkung ab mit vielen Gleichgesinnten unter dem Staunen 
der unbeteiligten Menge, in die dunklen, abgesperrten Straßen 
hinein. 
Rausch der Menge; ein erhebendes Gefühl! Nur mußte 
man immer wieder lachen, weil die Offiziere als Jäger oder 
Nordpolfahrer verkleidet waren. 
An der Front, einem weiten Halbkreis, waren inzwischen 
sogar Bootskanonen in Tätigkeit getreten. Etwas veraltete, 
aber tadellose 6.4-om-Rohre, die im Krieg der Gegner sehr 
daneben schätzte.
	        
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