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Auftakt

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Auftakt. 
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Einen kannte ich; er hatte vorher in einer politischen 
Versammlung seine Gedanken entwickelt, d. h. er hatte unter 
vielen Heiterkeitserfolgen mit den schweren Fremdwörtern, 
die merkwürdigerweise zum Sprachgut einer Revolution un 
entbehrlich zu sein scheinen, gerungen und hatte sich in seiner 
gekränkten Eitelkeit hinreißen lassen, sogar den Termin ziem 
lich genau zu verraten. 
In der üblichen Weise war vorgegangen: Autoschnellfahrten, 
Besetzung von öffentlichen Gebäuden, Maueranschläge — und 
zwar neu, aber von dem Standpunkte aus ganz vernünftig, 
Plünderung der Reichsbank. 2'U Millionen waren dorther 
geholt, zum Teil in Goldrollen. 
Das Hauptquartier war in der Tausendmannkaserue. Man 
munkelte mittags, daß es dort Sekt geben sollte, worauf 
sich die Zahl der Anwerbungen für die Bewegung beträcht 
lich hob. 
Der 21er Rat tat nichts. 
Er beratschlagte. 
Jede Gemüsefrau wußte, daß die Brüder unter einer 
Decke steckten und vorbereitetes Spiel spielten. 
Am Nachmittag kochte die Volksseele. 
Es wurden Bürger- und Soldatenversammlungen ab 
gehalten, und die Redner hatten es leicht, Beifall zu erringen, 
wenn sie erklärten, daß dies dem Faß den Boderr ansschlüge, 
und daß man sich dies nicht gefallen zu lassen brauche. 
Um drei Uhr ging jemand mit kurzem Händedruck an mir 
vorbei und sagte: „Stoßtrupp R. sammelt sich da und da, 
Losung ist so und so." 
Als es dunkel war, wälzten sich Haufen der Versammlungs- 
teilnehmer vor das Kasino, das mit Maschinengewehren ge 
spickt war, lärmten und verlangten den Präsidenten, forderten 
Abdankung uird heulten, in Stoßwellen von einem Punkt 
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