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Abgesang

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Abgesang. 
die solches Denken haben wie die Freikorpssoldaten, müssen, 
wenn sie jahrelang den Krieg hindurch gegraben und gegraben 
haben, fast eins geworden sind mit der Mutter Erde, auch 
weiter graben bis an ihr Ende. Mit dem schöneren Gefühl, 
daß es von nun an nicht mehr allein fürs Vaterland, son 
dern für das eigne Ich ist und für Frau und Kind. 
Die gerissenen Fäden zum Fabriksaal und zur Werkstatt 
hin lassen sich bei dem unsteten Sinn nur ganz schwer wieder 
knüpfen. Fremd würden die Söldner dort sein unter den 
Arbeitsgenossen und verhaßt und nie mit denen im Fühlen 
einig. 
Ich habe mich immer bemüht, die Seele des Freikorps 
soldaten zu erfassen. Man kann von der als etwas Einheit 
lichem sprechen. 
Bei dem Feldgrauen des Krieges nicht; weil alle Männer 
hineinmußten in den grauen Rock, waren unter den Kämpfern 
im Felde auch alle vier Temperamente, waren Melancholiker 
und Phlegmatiker, waren nüchterne Naturen, Romantiker, 
Tatsachenmenschen, lustige Brüder, alles im bunten Geinisch. 
In den Freikorps war „der ewige Deutsche" der gewöhn 
liche Typ. Ihn gibt es ans allen Stufen, er ist Seemann, 
Flieger, Amerikasahrer, Handwerksbursche, Pennbruder. Er 
läuft hinter der blauen Blume her, hat immer die Musik der 
Landstraße im Ohr. — Zigeuner. . . 
Wollen sehen, was hinter den Bergen ist! Auch Berge . . . 
Aber dahinter? . . . Ach. ist das Leben heute schön! . . . Und 
morgen wird's wieder ganz anders sein, noch schöner. — 
Ruhelos und voller Einfälle das Innenleben, vom Wander 
trieb erfüllt. Sanguiniker meist, auch Choleriker, Bewegungs 
naturen. 
Räderrollen, Raufen und Tanz und fort mit den schmutzigen 
Geldscheinen, daß andere auch leben können.
	        
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