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Kappenfest

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Kappenfest. 
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leute nur mäßige Reiter, können die Pferde nicht so schnell 
herumdrücken. Die Tiere rutschen und schlagen aufs regen 
nasse Pflaster. Junge Soldaten glauben, daß man ihnen 
den Kompagnieführer erschossen hat und feuern auf die Deckung 
suchende Menge. — Im Vestibül des Adlonhotels liegen Tote. 
Panik. 
Auch bei einem Teil der Truppe Panik. Die Kompagnien 
bilden Schützenlinien nach rechts und links ohne Befehl. 
Gespanne werden scheu. Vou oben fällt eine Handgranate 
anfs Pflaster und platzt. Verwundete Pferde rasen mit einem 
Minenwerferwagen die Linden entlang stadteinwärts. 
Dann dringt endlich das Kommando „Stopfen" durch. 
In die Totenstille hört man die Regentropfen zischen und 
das Tapsen vieler flüchtender Füße. 
Die Truppe ordnet sich, der Marsch geht weiter. 
Hinter dem Tiergarten schlägt noch einmal ein kurzes 
Gruppenfeuer in einem herandrängenden Schwarm von 
Moabiter Gesindel. 
Wenn die Kugeln nur immer die Richtungen träfen. 
Die Richtigen sind die gewissenlosen Hetzer und die ganz 
Dummen, die marschierende Truppen in Aufstandszeiten für 
Maskeradenzüge halten, an denen man sein Gaudi haben kann. 
Die Kugel ist eine Törin. Sie hätte auch meinen Bruder 
treffen können, der in Charlottenburg an der Bordschwelle 
stand. Er war, wie viele Menschen aus der Provinz, in 
Berlin zu Besuch und konnte bei der Bahnsperre nicht zurück. 
Er hatte, wie andere auch, hungrige Tage gehabt im Hotel 
und kein Geld, weil die Post nicht kam. Ein Generalstreik 
trifft manchmal hart, aber die Verkehrten. Nun liefen wir 
Brüder uns zufällig in den Weg unter den zwei Millionen 
Bewohnern Berlins, und ich konnte ihn mitnehmen als Zeit- 
freiwilligen. Dann hatte er Essen und Geld.
	        
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