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Auftakt

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

IG Auftakt. 
wild und seifte die sich in Führerrollen versuchenden Unter 
offiziere ein. 
Als ich am Mittag am Kasino vorbeiging, hielt der 
Präsident vor der Volksnicnge eitle Rede, in der die schwung- 
vollen Worte vorkamen: „Die Hochburg der Berilfssoldaten 
ist gefallen, in diesem Augenblicke sind die Autos unterwegs, 
nehmen ihnen die Waffen ab und bringen sie dorthin, wo 
sie nicht gegen Proletarier losgehen können." 
Es waren etwas schwächliche Vereinbarnitgeit zustande 
gekommen; am tiächsten Tage erschien eine neue unabhängig- 
sozialistische Zeitung, von einem bürgerlicheit Verleger zwangs- 
weise gedruckt, und die Stellung des Rates war gefestigter 
als vorher. Seine Mitglieder setzten durch, was sie wollten, 
bei den Kommandostellen. 
Die unter ihnen, die ich von früher kannte aus meinem 
Bataillon, erzählten mir manchmal, wie sie mit den „Herren" 
umgingen. Einer mochte mich gern leiden; ich hatte ihn 
einst im Standgericht mit verurteilt, ihm aber auch bei 
anderer Gelegenheit eine Familienunterstützung verschafft. 
Er war und blieb nett und höflich. Sein jetziges hohes 
Amt verdankte er weniger seinen Gcistesgaben als dem Um 
stande, daß schon sein Vater unter dem Sozialistengesetz» hatte 
nach der Schweiz ziehen müssen. Ein anderer, der nach 
Berlin gesandt wurde, um von dort die Gesanitmarine zu 
leiten, war eine nnerfrenliche Erscheinung, Eiitjähriger, 
Kapitalist, der wegen Schiebersachen in Untersuchung gewesen 
und sich als k. v. auf meiner Schreibstube herumgedrückt 
hatte. Wegen des Gerichtsverfahrens kam er nicht ins Feld. 
Der Gefreite, der die Stationsbefehle unterzeichnete, war als 
Mensch nicht ohne gute Eigenschaften; man konnte wenigstens 
mit ihm arbeiten. Sein Chef, wenn der Ausdruck bei den 
damals vertauschten Rollen zwischen Soldatenrat und Offizier
	        
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