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Kappenfest

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Kappensest. 
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geschlagener Kerl geflickt, dem ein Auge heraushing (einer 
von des Zaren Spionen aus der Kriegszeit und vielfacher 
Verbrecher, dessen Steckbrief der Geheimpolizist eben auf den 
* Tisch gelegt hatte). Vor der anderen offenen Tür und auf 
den Treppen heulte die wütende Menge und reckten sich 
drohende Fünfte. — Gebt uns Barrabas heraus! Das war 
durchaus nicht lyrisch. 
Zum Glück hatte ich für meine Person schon etwas von 
Willi V. gehört und war überhaupt ein Freund von Dichtern. 
Also schützte ich ihn durch eine kleine Ansprache und führte 
ihn in ein Massenquartier, wo er mit beliebigen Soldaten 
sprechen konnte, um die Stimmung zu erkunden. Da war 
ein Stukkateur aus Osnabrück, der ihm in klarster Weise 
unsere Beweggründe zum Handeln und die Reinheit unserer 
Ziele auseinandersetzte, so daß ich selbst beim Zuhören er 
staunt war. 
Politische Kinder waren unsere Leute nicht, das wußte 
ich schon. Aber daß ihre Ansichten sich so rein vaterländisch 
geklärt hatten, losgelöst von Parteiansichten, war mir wieder 
erfreulich zu vernehmen. 
Herrn Willi V. auch; jetzt hatten wir wenigstens einen, 
der uns in Berlin verstand. Zum Abschied versprach mir der 
gerettete Dichter seine Werke mit Widmung, auf die ich warte. 
Die zielbewußte Arbeiterschaft in Berlin tat ihre Kampf 
arbeit nicht in Straßenreden, sondern in Vertretersitzungen. 
Über Nacht einigten sich die Kommunisten mit den Un 
abhängigen und einem Teile der Mehrheitssozialisten zu 
einem festen Programm der Errichtung der Diktatur des 
Proletariats. Eine Ministerliste wurde aufgestellt mit Däumig 
als Reichskanzler, Geyer (Kurt) als Innenminister. 
Dies bedeutete die Rätewirtschaft für Deutschland und 
war der einzige Ausweg, der blieb, wenn die jetzt sehnlichst
	        
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