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Kappenfest

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Kappenfest. 
melden, hatte aber noch eine Stunde, über den Schlesischen 
Bahnhof ausholend, auf dem Pflaster zu laufen. 
Dann kam ich ans Polizeiprüsidinm, das sich sogar an 
den Treppen eingedrahtet hatte, wurde hinein- und an den 
Fernsprecher gelassen und konnte Meldung machen. 
Ich war herzhaft müde, als ich wieder in 'der Köpenicker 
Straße anlangte, gerade als uriser Panzerauto vor das 
Kasernentor fuhr und drinnen Alarm geblasen wurde. Als 
die Pioniere die Stiesel anhatten, waren unsere Leute schon 
im Haus und halfen auf den Treppenabsätzen nach, damit 
das Antreten im Hofe schneller ging. 
Der befreite Bataillonskommandeur, den mitsamt dem 
ganzen Offizierkorps die eigenen Unteroffiziere eingesperrt 
gehabt hatten, war in seinem ehrlichen Soldatenherzen durch 
die Vorgänge schwer erschüttert. Hohe Polizeioffiziere kamen 
an; es gab unerquickliche Auseinandersetzungen. Erst durch 
die Haltung der Sicherheitspolizeitruppe sollten die Soldaten 
zu ihrer Handlungsweise veranlaßt sein. 
Irgendwie war da jedenfalls beim Spiel gemogelt. Von 
nun an trauten wir den „Grünen" nicht mehr. 
Die Rädelsführer der Unteroffiziere wurden aufs Auto 
gepackt, und wir fuhren durch das morgendliche Straßenleben 
der Stadt nach Haus. 
Die Sache würde gut wirken. So soll es jedem gehen, 
der über Roms Mauern springt. 
Totschießen konnte man die Meuterer nicht. Sie wurden 
in einem sofort zusammengerufenen Feldstandgericht unter 
Mitwirkung von Juristen zu Freiheitsstrafen verurteilt, die 
sie natürlich nie abzusitzen brauchten. — Es galt ja nicht.
	        
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