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Kappenfest

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Kappenfest. 
Blatte besagte, daß die gewohnten Sprechstunden in der 
Schriftleitung aus Gründen, deren Darlegung sich wohl er 
übrigen würde, vorläufig ausfallen müßten. — 
Ich hatte die merkwürdige Empfindung, als ob ich über 
alle Parteien hinweg dem Schreiber fröhlich zuwinken müßte. 
Er ist sicher ein echter Deutscher trotz seines Kommunismus. 
Witz haben alle Völker, aber nur der Deutsche hat echten 
Humor — Humor ist bekanntlich, wenn nian trotzdem lacht. 
Nach dem Lesen habe ich wahrscheinlich noch im Schlafe 
ein vergnügtes Gesicht gemacht und geträumt, daß ich mich 
an unrechten Stellen auf die Bajonette stützte. Möglich ist 
dabei, daß die Strohhalme piksten und den Traum auslösten. 
Militärisch gab es auch am nächsten Tage wenig zu tun. 
Die Schießereien wurden zwar umfangreicher und übler. Am 
Kottbuser Tor setzte eine fremde Truppe zwischen die heran 
drängende Menge eine mittlere Mine, die ihrem Kaliber ent 
sprechende Wirkung hatte. Ich hätte nicht dabei sein mögen, 
weder auf der Seite, wo sie abgefeuert wurde, noch wo sie 
einschlug. Mittlere Minen auf Straßenpflaster sind etwas 
Entsetzliches. 
Wenn es gestattet ist, von mir selbst zu sprechen, so will 
ich mitteilen, daß ich mich meist in Zivilkleidung und Zivil 
stellung damals in Berlin betätigt habe, und zwar mehr als 
Zuschauer, denn als Mitarbeiter, weil es so sehr schwer war, 
bei dem hin- und herflatternden Tuch einen Zipfel wirklich 
nutzbringend festzuhalten. 
Das meiste von dem, was ich gesehen, gesprochen und 
getan habe, werde ich für mich behalten, wenn auch nach 
meiner Ansicht der Herr Oberrcichsanwalt in Leipzig alles 
wissen könnte. — Vielleicht bin ich vorübergehend Staats 
sekretär gewesen, vielleicht gar in Aussicht genommener Fach 
minister. Minister sein ist nichts Besonderes mehr, seit der
	        
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