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Kappenfest

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Kappenfest. 
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Kritik ist leicht. Bessermachen schwer. Das Zeitungs 
verbot wird als erster großer Fehler der neuen Männer an 
gesehen. Möglicherweise hatten sie aber doch von ihreni 
Standpunkt aus darin recht. Die Gemüter sollten sich in 
Berlin nicht erhitzen, damit keine Störungen kamen; Zeitungen 
werden meistens als wahr genommen und regen auf. Es ist 
in den ersten Tagen alles friedlich geblieben in der Haupt 
stadt, und der Erfolg entscheidet über Wert oder Unwert 
einer Maßregel. Die Flugzettel waren der Zeitnngsersatz. 
Erst einmal hatte die neue Regierung das Wort. Kapp 
hatte sich zum Reichskanzler gemacht. Er sprach stolz wie 
Napoleon. 
Kundgebung: 
„Die bisherige Reichsregierung hat aufgehört zu sein. 
Die gesamte Staatsgewalt ist auf den Generallandschafts 
direktor Kapp-Königsberg als Reichskanzler und preußischen 
Ministerpräsidenten übergegangen. Zum militärischen Ober 
befehlshaber und Reichswehrminister ist gleichzeitig vom 
Reichskanzler der General der Infanterie Freiherr von Lütt 
witz berufen worden. Eine neue Regierung der Ordnung, 
der Freiheit und der Tat wird gebildet." Mit Unterschriften. 
— Die letzte Zeitung, die erschien (nicht die Regierung) schrieb 
dazu: Das Ultimatum, das die Gegenpartei der alten 
Regierung stellte, bestand darin, daß infolge der unerträg 
lichen Zustände, unter denen Deutschland leidet, unbedingt 
ein aus Fachleuten bestehendes Ministerium gebildet werden 
müsse. Da die alte Regierung sich außerstande erklärt, ohne 
die Verfassung zu verletzen, eine plötzliche Neubildung vor 
zunehmen , legt sie ihr Amt nieder. Zurzeit ist kein Mit 
glied der alten Regierung mehr im Amt. Es war von 
vornherein in Aussicht genommen, dem früheren „Landwirt 
schaftsdirektor" Kapp die Bildung der neuen Regierung zu
	        
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