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Kappenfest

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

146 Kappenfest. 
um, ließen die Gurte anziehen und die Pferde aus dem 
Stalle holeu. 
Die Kompagnien sammelten und fädelten sich in die 
lange, bunte Marschkolonne auf der Hauptstraße ein. 
Vor jeder Abteilung des Reiches Kriegsflagge — jetzt 
liefen die Leute eilig und holten aus den Stuben auch die 
anderen, die von den Linken verpönten, die schwarz-weiß- 
roten Fahnen, und banden sie an den Munitionswagen fest. 
Die Fahnen, Herrgott die Fahnen, die dürft ihr uns 
nicht nehmen! Das ist, als ob man einen: ganz Armen sein 
letztes Erinnerungsstück nimmt! 
Voriges Jahr hatten wir sie schon einmal gehißt, in 
Berlin, auf dem alten Kaiserschloß, unserem Quartier. Wir, 
das heißt, die Leute aus sich heraus. Da hatte eine sehr 
„hohe Zivilstelle" durch den Fernsprecher geschimpft, daß so 
was unerhört wäre und die Fahne sofort herunter miißte 
vom Blitzableiter. Und da hatte man als Antwort der 
Soldaten zurückgerufen: „Wer mit Gewalt an unserer Fahne 
rührt, bekommt einen Bauchschuß." — „Waas?" — „Einen 
Bauchschuß, B von Berta, a von Anna usw." 
Es ist eine der gedankenlosesten und dümmsten Maßregeln 
gewesen und aus giftigem Haß gegen alles Vorherige geboren, 
die Fahne dem deutschen Volke zu nehmen. 
Was mit dem Kaisertum zusammenhing, die silbergestickten 
Militärfahnen, meinetwegen auch den Adler, der so gerupft 
gar nicht mehr gut aussieht — das hatte noch irgendwelchen 
Revolutionssinn. Aber die schwarz, weiß und roten Tuch 
streifen — als ob das die „Junkerfahnen" gewesen wären? 
Die richtigen Preußen flaggten lieber schwarz-weiß, und das 
ist merkwürdigerweise und erfreulicherweise geblieben. 
Nein, hinter den Dreifarbigen gingen die kleinen Mädchen 
her, wenn sie ihren Schulausflug machten und Heimatlieder
	        
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