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Auftakt

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Auftakt. 
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der Zusammenhalt, die Geschlossenheit, die Führerschaft alles 
ist. Wenn diese 230 Mann die Stadt hätten besetzen und 
die radikal-sozialistische Gewalt hätten aufhebet! wollen, sie 
hätten es für kurze Zeit tun können. Sie wollten natürlich 
nichts von alledem, sie wollten nach Muttern. 
Die Regie der Garnisonkriegsleute versagte bei dem Fest 
zuge. Die Musik schweukte ab zum Kasino, wo der Präsident 
zu der großen Ansprache über die nächsten Ausgaben der 
neuen Regierung der A.- und S.Mäte in betreff der Über 
leitung in die Friedenswirtschaft, Arbeit, Frieden und 
Brot usw. sich die Lippen feuchtete; die Truppe ging unter 
dessen geradeaus und vorbei und auf Nebenstraßen zur Kaserne. 
Die Rede blieb ungehalten, der 21 er Rat war natürlich auch 
ilugehalten, nämlich darüber, und rächte sich. 
Die Soldaten kamen vors Kasernentor, wo eine rote 
Flagge hoch oben wehte, und wollten des bißchen roten Tuches 
wegen nicht weiter. 
Was so die Erziehung macht! Für sie war eine Fahne 
eben nicht ein mehr oder weniger kostbares Stück Stoff, 
sondern wie ihr altes seidenes Feldzeichen, ein Sinnbild. Sic 
wollten nicht. 
Nun geschah das, was den Leutnant B. ins Gefängnis 
brachte und dem Soldateurat seine Rache gab. — B., in der 
Freude, seine alten Kameraden wiederzusehen, stieg die Treppe 
hinauf mit seinem schwer kriegsbeschädigten Bein und holte 
die Fahne herunter und zog dabei die Pistole. Das war, 
menschlich gesprochen Leichtsinn, juristisch gesprochen Be 
drohung. 
Daß seine Verurteilung auch von der Berliner Regierung 
nicht gebilligt wurde, spielte keine Rolle, denn die sogenannten 
Volksbeauftragten besaßen keine Machtmittel, um ihre An 
ordnungen durchzuführen. In der Stadt lebte man in
	        
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