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Auftakt

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Auftakt. 
waren selbst noch zu einigen Zehntausenden; aber Unruhe 
faßte die Stadt. „Jetzt kommt die Gegenrevolution; sie haben 
wahrscheinlich den Kaiser (den armen kranken Kaiser) aus 
Holland geholt und in einem Salonwagen hinten angehängt." 
In der Nacht schon wurde das prächtige, ganz mit roten 
Tüchern behängte Offizierskasino, das Hauptquartier des 2ler 
Rates mit starker Bedeckung versehen, und Abteilungen der 
Roten Garde marschierten zum Bahnhof. 
In ihren Koppeln pendelten die Handgranaten über 
funkelnagelneuem Zeug, das das Bekleidungsamt in schweren 
Mengen geliefert hatte. Auf dem Bahnsteig drohten unter 
dem Schild „Herzlich willkommen" die Läufe der Maschinen 
gewehre. 
Und am Morgen, bei Regenwetter, kamen die Seesoldaten; 
es waren, glaube ich, 230 Mann. Sie sahen so aus, wie 
man im Felde aussieht, mit schlechtem, gelb und braun ge 
wordenem Zeug, mit schmalen Gesichtern und ernsten Augen. 
Im Knopfloch hatte jeder einen kleinen immergrünen Strauß 
mit einer schwarz-weiß-roten Schleife. Sie warteten geduldig 
zwei Stunden lang, bis eine Musikkapelle kam. 
Dann gingen sie ruhig und friedlich mit angezogenen 
Gewehren in Gruppenkolonnc hinter ihrer flatternden Fahne 
her zur Kaserne. Schulkinder säumten die Bürgersteige und 
riefen schüchtern Hurra; aus den Fenstern winkten die Bürger 
und wehten auch Landesfahnen. 
Es war nicht groß das Schauspiel, eher ein bißchen weh 
mütig und ein bißchen armselig und doch wunderschön. 
An dem Tage fiel mir zum ersten Male wieder auf, daß 
meine Sporen klangen. 
Ich erzähle das etwas ausführlicher, weil ich, zwischen 
den Zeilen zu lesen, zeigeu wollte, daß bei einer Truppe 
(oder auch politischen Gruppe) .die Zahl wenig, — der Geist,
	        
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