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Oberschlesien

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Oberschlesien. 
entstanden, nnd das Ergebnis war, daß die tadellosen Förder 
anlagen, Schüttelbahnen, Drehscheiben und Aufzüge größten 
teils leer liefen. 
Man nahm das nicht so tragisch. Es lohnte sich doch 
nicht so recht, meinte man, die Kohlen nach oben zu be 
fördern, weil es an Eisenbahnwagen fehlte. 
Nun, jedenfalls wußte ich endlich, warum die Kohlen so 
selten und so teuer sind. 
Mit den Bergleuten konnte man sich großartig unter 
halten, so daß ich, als wir miteinander vertraut geworden 
waren, auch endlich die Frage wagte: „Warum streikt ihr 
so oft und mit solcher Ansdauer?" 
Da sagte einer: „Wenn man soviel Geld verdient wie 
wir, kann man sich auch schon mal einen kleinen Streik 
leisten." 
Die Antwort habe ich mir gemerkt. Sie ist bezeichnend, 
sollte scherzhaft sein und hat einen ernsten Inhalt. Das 
trostlose Lassallesche Lohngesetz, das angeblich die Arbeiter 
im Joch der Arbeit hält, galt hier nicht. Die Häuer und 
Wagenschieber verdienten mehr als das Lebensnotwendige. 
Übrigens gönne ich meinen neugewonnenen Freunden ihren 
reichlichen Schichtlohn von ganzem Herzen. Jedes Ding hat 
zwei Seiten. Ein Spaß ist Bergmannsarbeit auch in Ober 
schlesien nicht. 
Als wir uns für unsere lieben Anverwandten in schöner 
Gruppe mit Blitzlicht abnehmen ließen, prasselten ein paar 
Zentner Kohlenklumpeu von der Decke herunter. Das nennt 
der Fachmann einen „Bergmannsfloh" und beachtet ihn 
nicht mehr als einen richtigen Floh. Man kann aber daran 
sterben. Nebenbei war eine Zimmerwärme von 23° „vor 
Ort" und auch einiger Staub. Eine lange Strecke, durch die 
wir krochen, war kürzlich „zu Bruch" gegangen, dann wieder
	        
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