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Oberschlesien

Full text: Mit Ehrhardt durch Deutschland / Mann, Rudolf (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Oberschlesien. 
In den Kreiszeitungen standen tolle Fälle beschrieben, so 
daß ich ein Ansiedlerleben in den wildesten Cooperschen 
Jndianergebieten wohl einem zeitweisen Aufenthalt in Ober 
schlesien vorgezogen hätte. Die Indianer hatten wenigstens 
keine Handgranaten und Dynamitpatronen, die polnischen 
Banden, meistens Bergleute, beides. 
Sobald die Feldgrauen kamen und in jedes Dorf eine 
Kompagnie Einquartierung gelegt wurde, war alles wieder 
musterhaft brav und „keiner wollte es gewesen sein". Die 
Führer waren natürlich geflohen und mit den zurück 
geworfenen Scharen der Großpolen nach jenseits der Grenze 
gezogen. Andere, die auch sehr laut geschrien hatten, lebten 
hungernd in kleinen Rudeln im Walde und sahen sehnsüchtig 
aus nach ihrem Dorfe, wenn sich abends die Lichter ent 
zündeten und die Frauen weinend ihre Kinder zu Bett 
brachten. 
Unsere Aufgabe in der Gegend war die Entwaffnung der 
Bevölkerung, damit ein neuer Aufstand nicht möglich würde. 
Die Entwaffnung war schlecht zu machen, weil keine Waffen 
da waren, die man fortnehmen konnte. Gar keine. Wir 
haben im Morgengrauen Dörfer rings umstellt und genau 
durchforscht, auch die Scheunen, und nichts gefunden. Wir 
haben überraschend alle Oderbrücken gesperrt und alle Wagen 
durchsucht, weil erzählt wurde, die Gewehre würden heimlich 
weggeschafft. Ohne Erfolg. 
Wenn man gar nichts findet, trotzdem vorher in der 
Gegend viel geschossen worden war, so gibt das doch zu 
denken. Es wird schon stimmen, daß die Waffen in den 
Wäldern lagerten, und daß die Eingeweihten — Großpolen 
und Kommunisten — so fest verschworen waren, daß ihnen 
auch das Geld die Zunge nicht löste. 
Es wurde nämlich auch Geld eingesetzt, um die Fäden
	        
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