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Zum Schluß

Full text: Der Sieg der Arbeiter und Matrosen im Dezember 1918 in Berlin / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Zum Schluß 
Der Sieg des Berliner Proletariats am 24. Dezember 1918 war ein Schlag 
gegen die konterrevolutionären Machenschaften der Groener und Le- 
quis, der Ebert und Wels. Die günstige Gelegenheit zur Entwaffnung 
und Entmachtung aller konterrevolutionären Kräfte wurde jedoch ver- 
säumt. Die zentristischen Führer der USPD hatten noch einen großen 
Einfluß auf die Massen. Die USPD war nicht in der Lage, im Bewußt- 
sein der Arbeiterklasse die Bedeutung einer ausschließlich eigenen, 
bewaffneten Macht zu verankern, weil ihre Führer die Rolle der prole- 
tarischen Staatsmacht nicht begriffen. 
Nur der Spartakusbund stellte auch jetzt wieder diese notwendige For- 
derung. Auf der großen Protestkundgebung am folgenden Tag, dem 
25. Dezember, rief Karl Liebknecht den Zehntausenden Arbeitern und 
Soldaten zu, daß der am Vortage geschlagene Gegner noch nicht ent- 
machtet sei und daß das revolutionäre Proletariat jetzt mehr denn je 
auf der Hut sein müsse. Die dringendsten Forderungen, so sagte er, 
seien: Bewaffnung des Proletariats, Bildung einer Roten Garde und 
einer Arbeitermiliz und Entwaffnung der Offiziere und aktiven Unter- 
offiziere. Doch waren infolge des Fehlens einer revolutionären marxisti- 
schen Kampfpartei die Räte zu zersetzt und ideologisch zu aufgeweicht, 
um diese Forderungen zu verwirklichen. 
Während dem revolutionären Proletariat eine zentrale Leitung in Form 
einer marxistisch-leninistischen Kampfpartei fehlte, hatte die Konter- 
revolution ihre gut funktionierende Zentrale noch immer in der Ober- 
sten Heeresleitung. Diese hatte — behütet durch den international ver- 
flochtenen Imperialismus und gestützt durch die verräterische deutsche 
SPD-Führung — nicht nur das Kriegsende, sondern auch die bisherigen 
Revolutionsstürme gut überstanden. Die Niederlage vor Schloß und 
Marstall bewies der Obersten Heeresleitung endgültig, daß sich die 
Masse der Frontsoldaten nicht mehr zum Werkzeug konterrevolutio- 
närer Aktionen machen ließ. Deshalb beeilte sich die Oberste Heeres- 
leitung, neue, geeignete Streitkräfte für den alten Zweck zu schaffen. 
Mit größtem Eifer und Aufwand und mit Unterstützung der Regierung 
wurden nun die Bürgerkriegsgarden aus Freiwilligen organisiert, die 
sich anmaßend Freikorps nannten. Sie rekrutierten sich fast ausschließ- 
lich aus Berufsoldaten und Offizieren, also aus Schichten, denen infolge 
der Revolution ganz besonders der Boden unter ihren Füßen zu wanken 
begann. Das erklärt ihren besonderen Haß gegen das revolutionäre 
Proletariat. 
Zum Führer dieser konterrevolutionären Einheiten wurde der Rechts- 
sozialdemokrat Noske gemacht, der mit allen Mitteln gemeinsam mit 
der ihn umgebenden Offizierskamarilla blutige Gemetzel organisierte. 
Zeigt uns der Sieg der Arbeiter und Matrosen im Dezember 1918 in 
Berlin die Unüberwindlichkeit der einig handelnden Arbeiterklasse, so 
beweisen sowohl die Dezemberkämpfe als auch die darauf folgende 
Entwicklung der Revolution in Berlin die Richtigkeit der Lehre Lenins, 
daß ohne militärische Organisation des Proletariats dessen Sieg kein
	        
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