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Angriff der Konterrevolution und Sieg des Proletariats Arbeiter und Matrosen siegen über die Konterrevolutionäre

Full text: Der Sieg der Arbeiter und Matrosen im Dezember 1918 in Berlin / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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höhnischen Bemerkung beantwortet, daß dies nur nach Herbeiführung 
eines entsprechenden Beschlusses aller sechs Kabinettsmitglieder mög- 
lich sei. Barth hatte sich sofort um die Herbeiführung eines solchen 
bemüht, war aber bei Ebert, Landsberg und Scheidemann auf starken 
Widerstand gestoßen. Alle drei beteuerten scheinheilig, von den ganzen 
Vorgängen nichts zu wissen, weigerten sich aber trotzdem, einen Befehl 
zur Beendigung des Blutvergießens zu geben; sie versuchten, Zeit zu 
gewinnen, indem sie vorgaben, auch Haases und Dittmanns Ein- 
verständnis hierzu haben zu müssen; Ebert verhinderte nach dem Ein- 
treffen der beiden zunächst, daß Haase dem Kriegsminister einen 
solchen Befehl gab, und Ebert gab schließlich selbst telefonisch zwar 
keinen Befehl, aber äußerte die Bitte, weiteres Blutvergießen zu ver- 
meiden. 
Kurz vor 12 Uhr wurden noch immer Angreifer entwaffnet. Die auf 
dem Leipziger Platz stehende Geschützbatterie kam als letzte an 
die Reihe. Der „Vorwärts“ schrieb darüber: „Plötzlich stürmten 
Matrosen mit Handgranaten und entsicherten Gewehren heran und 
stellten die Artillerie vor die Alternative, sich zu ergeben oder unter 
Feuer genommen zu werden.“*) 
Ein anderer Berichterstatter des „Vorwärts“ meldete: „Um 12 Uhr 
sah ich ungefähr 200 bewaffnete Zivilisten in Marschkolonne in den 
Marstall einrücken, die ganze Gegend um den Marstall einschließlich 
der Königstraße bis zum Rathaus ist von Anhängern der Matrosen 
mit Maschinengewehren besetzt. Die Matrosen und ihre Parteigänger 
fordern, daß die Regierung Ebert—Haase sofort zurücktritt ... “**) 
Die Matrosen hatten bei den Kämpfen sechs Tote zu beklagen, und 
mehrere waren verwundet worden. 
Der großartige Sieg der Berliner Arbeiter und Matrosen war zugleich 
der Augenblick der größten Schwäche und Hilflosigkeit der Mili- 
taristen, ihrer bourgeoisen Auftraggeber und der Arbeiterverräter. 
Gescheitert war nicht nur ihr Plan der gewaltsamen Vernichtung der 
Volksmarinedivision, sondern auch ihr ursprünglicher Plan, mit 
Hilfe „zuverlässiger“ Fronttruppen die revolutionäre Bewegung in 
Berlin niederzuringen. Am 24. Dezember verlor die vereinigte Konter- 
revolution die Truppen, auf die sie seit dem 9. November alle ihre 
Hoffnungen setzte, und blieb vorübergehend ohne bewaffnete Stütze. 
Major von Harbou, der wenige Stunden zuvor dem Kriegsminister 
prahlerisch hatte versichern lassen, daß „der Film“ klappen würde, 
schrieb noch am 24. Dezember in seinem Bericht an die OHL: „Die 
Truppen des Generalkommandos Lequis sind nicht mehr aktiv ver- 
wendungsfähig. Es werden nur noch Reste kampffähiger Truppen 
übrigbleiben ... Ich halte es für das beste, die hiesigen Truppen zu 
demobilisieren. Sie lassen sich nicht mehr halten. Generalkommando 
Lequis ist meines Erachtens unmöglich geworden. Empfehle seine Auf- 
lösung.“***) Und General Groener selbst bezeichnete später die Tage 
*) „Vorwärts“ vom 25. Dezember 1918. 
**) „Vorwärts“ vom 24. Dezember 1918. 
***) Zitiert nach Günter Paulus, Die soziale Struktur der Freicorps ..., In „Zeit- 
schrift für Geschichtswissenschaft“, Nr. 5/1955, S. 685.
	        
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