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Full text: Der Sieg der Arbeiter und Matrosen im Dezember 1918 in Berlin / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Noch am gleichen Abend hoben Spartakusleute und Matrosen ein 
konterrevolutionäres Verschwörernest aus. Der Genosse Walter Haase, 
der damals dem Spartakusbund und dem Roten Soldatenbund ange- 
hörte, berichtet: 
„Am 7. Dezember 1918 besetzte ich mit Genossen vom Arbeiter- und 
Soldatenrat Neukölln und Genossen der Marinedivision das Hotel 
,Bristol' , Unter den Linden. Wir hoben eine Versammlung von kon- 
terrevolutionären Offizieren, Diplomaten und Studenten aus, die alle 
mit Handfeuerwaffen ausgerüstet waren. Prinz Krafft Hohenlohe, 
Graf Bismarck und Graf Stierstorpf gehörten dazu. Etwa 70 Personen 
leiteten wir per Grüne Minna dem Polizeipräsidenten Eichhorn zu. 
Bei dem Prinzen wurden Entwürfe von Flugblättern gefunden, die 
Graf Stierstorpf über England abwerfen sollte, und in welchen die 
Entente gebeten wurde, sofort zur Aufrechterhaltung der Ordnung in 
Deutschland einzumarschieren.“ 
Arbeiter und Matrosen 
beim Einzug der Fronttruppen in Berlin 
Nach dem zweimal gescheiterten Versuch der Auslösung bewaffneter 
Unruhen in Berlin, hatten die Gegenrevolutionäre den Zeitpunkt des 
Einrückens der um Berlin zusammengezogenen Truppen verschieben 
müssen. Lange aber konnten sie nicht mehr warten, weil der Spar- 
takusbund immer mehr Gehör fand und auch bei den um Berlin 
lagernden Truppen „der Drang der Mannschaften in die Heimat“ — 
wie Groener es später nannte — immer stärker wurde. Deshalb wurde 
der feierliche Einzug der Truppen für den 10. Dezember mit Ebert, 
Scheidemann und Landsberg vereinbart. 
Anstatt den Einzug der Lequis-Truppen strikt zu verbieten, machte der 
Vollzugsrat, als höchste legislative Gewalt, nur einen schwachen Ver- 
such, zu verhindern, daß der Einzug mit Kanonen und Munition er- 
folgte. Als das Kriegsministerium ihm darauf erwiderte, man könne 
es doch den Truppen nicht antun, ihnen die Waffen und Munition zu 
nehmen, gab er sich damit zufrieden und ermöglichte dadurch der 
Konterrevolution, dem revolutionären Berlin ihre bewaffnete Macht zu 
demonstrieren. 
Die Volksmarinedivision war aber nicht gewillt, sich gewaltsam aus 
Berlin vertreiben zu lassen. Sie schickte zunächst Späher zu den Lequis- 
Truppen. Diese ermittelten, daß im Grunewald große Mengen Munition 
für den Einmarsch bereitlagen; daß auf jeden Mann etwa 2000 Schuß 
kamen, die sie teilweise auf Wagen mitführten oder bereits als Taschen- 
munition empfangen hatten. 
Da rief Dorrenbach am Abend des 9. Dezember die Vertreter einiger 
Soldatenräte der Garnison und den Polizeipräsidenten Eichhorn ins 
Schloß. Er machte den Fehler, auch Anton Fischer, den stellvertreten- 
den Stadtkommandanten, zu rufen, dem die Revolutionäre damals noch
	        
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