Path:

Full text: Der Sieg der Arbeiter und Matrosen im Dezember 1918 in Berlin / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

25 
25 Handgranaten im Gaswerk Lichtenberg unterzubringen. Siemens 
& Halske in Lichtenberg bekam 50 Gewehre, zehn Karabiner und 
ein Maschinengewehr. 
Der fortwährende Streit und die Zersetzungen, die in den Reihen des 
Berliner Arbeiter- und Soldatenrates und selbst des Vollzugsrates 
auftraten, und die ewige Hin- und Herschaukelei der USPD verstärk- 
ten uns in dem Beschluß, die Gewehre nicht eher aus der Hand zu 
geben, bis unsere Forderungen verwirklicht sind. 
Seit einigen Tagen befolge ich den Ruf der Genossen, Waffen in die 
Betriebe zu bringen. Wir haben einen Lastwagen requiriert und mit 
einem leichten Maschinengewehr und sechs Mann besetzt. Unser Ziel 
sind die Betriebe in den Bezirken Friedrichshain, Rummelsburg und 
Lichtenberg. Einen Teil der Waffen nehmen wir aus dem Schloß, aus 
dem Marstall und dem Polizeipräsidium, das jetzt unter dem Kom- 
mando Emil Eichhorns steht. Die Waffen, hauptsächlich Gewehre und 
Munition, werden in den Betrieben Osram, Knorrbremse, Gaswerk 
Wiesenweg, Danneberg & Quandt und im Omnibusdepot Frankfurter 
Allee in sichere Hände gegeben. Überall in den Betrieben wird die 
Gewalt in die Hände zuverlässiger Spartakusmänner und USP-Leute 
gelegt.“ 
Spartakuskämpfer beginnen 
das Bündnis zwischen Stadt und Land zu schmieden 
Genosse Beiersdorf berichtet weiter: 
„Es ist Dezember geworden. Die Menschen in Lichtenberg hungern 
und haben zum Teil nicht einmal Licht in den Wohnungen. Der ver- 
fluchte Militarismus hat aus ihnen Elendsgestalten gemacht. In langen 
Schlangen stehen sie um Brot und Kartoffeln. Manchmal gehen sie in 
die Dörfer, um sich Lebensmittel zu beschaffen. Die Bauern schimpfen 
zwar auf Wilhelm, der getürmt ist, auch auf die Generale, die sich 
feige verkrochen haben und das Volk im Dreck sitzen lassen, die 
Bauern haben auch das Wort Revolution gehört — aber kennen nicht 
seine Bedeutung. Sie wollen in Ruhe gelassen werden und nichts ab- 
geben. Ihre Kornbestände erklären sie zu Saatgetreide und die Kar- 
toffeln im Keller zu Saatkartoffeln. Stumpf der Revolution gegen- 
über stehen auch die Landarbeiter und Tagelöhner. Es ist ja keiner 
da, der sie aufklärt. Sie wollen Boden haben, den sie ihr eigen 
nennen können. Aber es ist keiner da, der die Rittergutsbesitzer ver- 
jagt. 
Da beschließen wir, neun Matrosen unter der Leitung von Fritz Gast, 
einen Landeinsatz im Oderbruch zu machen. Mit einem Lastwagen 
fahren wir hinaus auf ein Dorf in der Nähe von Werbig. Es ist merk- 
würdig, die Bauern wissen von den Ereignissen in Berlin so gut wie 
nichts. Auf dem Dorfanger wird eine Versammlung abgehalten. Nach- 
dem wir von Gehöft zu Gehöft gingen, sind die Tagelöhner, Mägde 
und Knechte der Großbauern und des Gutes zahlreich vertreten. 
Einer nach dem anderen von uns spricht ein paar Worte. Wir be-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.