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Full text: Der Sieg der Arbeiter und Matrosen im Dezember 1918 in Berlin / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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beiden da vorn weg.' Fünf Mann pirschen sich an die beiden und 
ziehen sie an der Brücke auf den Bürgersteig. Es sind, ich kann nur 
kurz hinschauen, ein Mann und eine Frau. Der Mann lebt noch. 
Dann kommt der Feuerbefehl. Ich jage mit den anderen schwere 
Feuerstöße gegen die Schloßfenster, aus denen ununterbrochen ge- 
schossen wird. Peters hält den Patronengurt gut. Die Kugeln pfeifen 
um uns herum; eine klatscht neben Peters in die Patronenkiste. In 
der Hitze des Gefechts haben wir nicht gemerkt, daß wir auch aus 
dem Marstall beschossen werden. 'Feuer 'rumreißen!‘ ruft Paul. Und 
nun feuern wir zu den Fenstern des Marstalls. 
Inzwischen hat sich von der Wasserseite her ein Matrose heran- 
geschlichen. Paul verhandelt mit ihm und gibt dann den Befehl, den 
Marstall zu stürmen. Gegen eine starke, königstreue Gruppe von Offi- 
zieren, Kadetten, Fähnrichen und Schloßbeamten kämpfend, dringen 
wir in den Marstall ein. Sie hatten kurz zuvor die Schloßwache über- 
wältigt, die rote Fahne vom Schloß geholt und die herbeieilenden 
Soldaten vom Arbeiter- und Soldatenrat mit einem Kugelhagel über- 
schüttet. Nun saßen sie in einer Mausefalle und fielen restlos im 
Kampf, der sich auf den Korridoren und Treppen abspielte. Unter 
den Toten befanden sich mehrere Schloßbeamte, die ihren Wahnsinn, 
dem nach Holland Geflüchteten noch weiter die Stange zu halten, 
mit dem Leben bezahlten. Wir hatten ebenfalls vier Tote und zwei 
Verwundete.“ 
Arbeiter und Matrosen 
gründen die Volksmarinedivision 
Der Obermaat Paul Wieczorek, der aus dem oberschlesischen Indu- 
striegebiet stammte, war vor Beginn der Revolution als Marineflieger 
auf dem Flugplatz Johannisthal bei Berlin stationiert. Er war bereits 
an den ersten Meutereien in der kaiserlichen Flotte beteiligt gewesen. 
Als mutiger und unerschrockener Kämpfer seiner Klasse genoß er das 
Vertrauen seiner Kameraden. Am 9. November war er zusammen mit 
dem Matrosen Fritz Radtke und anderen Matrosen nach Berlin geeilt, 
um sich an der lang ersehnten Erhebung zu beteiligen. 
Wieczorek berief für den 11. November mittags eine Matrosenver- 
sammlung im Admiralsstab in der Bendlerstraße mit dem Ziel ein, 
eine revolutionäre Matrosentruppe zu gründen. Sein Gefährte, Fritz 
Radtke, traf auf dem Wege dorthin eine andere Matrosentruppe, die 
mit Heinrich Dorrenbach vom Reichstag aus auf die Straße gegangen 
war, um ebenfalls weitere Matrosen für die Schaffung einer revolu- 
tionären Formation zu gewinnen. Radtke veranlaßte diese Gruppe, zum 
Admiralsstab mitzukommen. 
So war es möglich, dort bereits eine Organisationsbesprechung zur 
Gründung der Matrosentruppe durchzuführen. Hier wurde der Druck 
von Handzetteln organisiert, durch die alle in Berlin weilenden Ma- 
trosen aufgefordert wurden, sich um 15 Uhr im Marstall einzufinden. 
Der Vorschlag, dieses Treffen im Marstall durchzuführen, war von
	        
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