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Noske und sein Einmarsch in Berlin

Full text: 1918-19 / Reinhard, Wilhelm (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Aeitumstände berücksichtigt. Er war von seinen Partei 
freunden abhängig. Die Sozialdemokratie war in zwei 
Lager gespalten, die sich nur mit Hilfe des alten Offiziers 
bekämpfen konnten. Diese Offiziere sollten nicht zu mäch 
tig werden, da sonst mit der Wiederherstellung der Mon 
archie und des durch die 8eindbundpropaganda so verhaß 
ten „alten Systems" zu rechnen war. Nur so ist das jetzt 
folgende Lintretm Noskes für die vollkommen im Fahr 
wasser Liebknechts segelnde Volksmarinedivision zu er 
klären. 
Die Angst vor den wenig tausend aus dem Krieg zu 
rückgekommenen alten geschulten Offizieren überwog bei 
Noske; das Gefühl des alten Offiziers, aus ehrlichem 
Streben dem unglücklichen Lande zu helfen, erkannte er 
schließlich, weniger aber seine Parteigenossen. Sie konnten 
sich bei ihrem Schwanken und Handeln gegen Deutsch 
lands wehr daher auch nicht wundern, daß sie in Sol 
datenkreisen unbeliebt waren, das Vertrauen bald ver 
loren und so Gegenwirkungen selbst hervorriefen. 
Noske verlangte jetzt von mir die sofortige Wiederbe 
waffnung der Volksmarineabteilung. Da auch der Grup 
penführer, Exzellenz von Lüttwitz, dem Standpunkt der 
Wiederbewaffnung beitrat, so geschah sie. 
Es war mir einer der am schwersten auszuführenden 
Befehle. 
Aber der alte Offizier konnte in der bolschewistisch an 
gehauchten Zeit nicht zu widerstrebend sein, da dies der 
ganzen Sache der 8reikorps und der in Bildung befind 
lichen Reichswehr widersprach. 
Der Matrose bekam pro Ropf einen Karabiner und 
eine Patrone, aber nicht die gehäuften Waffenbestände 
wieder, über die er verfügt hatte. Seine Klagen verhall 
ten in den Wirrnissen der Zeit. Der Einzug Noskes mit 
ss
	        
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