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Der Kampf um den "Vorwärts"

Full text: 1918-19 / Reinhard, Wilhelm (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Ausstellungspark hausend, konnten von dort aus die Laser- 
nements meines Regiments bestreichen. 
Als sie eines Tages Maschinengewehre auf ihren Dä 
chern ausstellten, begab ich mich zu ihnen, um sie zu er 
suchen, diese Waffen zu entfernen. In diesem Augenblick 
machte eine Spartakistenbande einen Angriff auf ein nahes 
Proviantamt in der Paulstraße. Durch die entstehende 
Schießerei glaubte man in den nächsten Rasernen an einen 
Matrosenangriff. So wurden dann die ganzen Ausstel- 
lungsgebäud« unter 8euer genommen. Interessant war es, 
die Angst der Matrosen zu beobachten. Erst als ich ihnen 
erklärte, ich wäre bei ihnen und ihnen passierte nichts, be 
ruhigten sie sich. Durch das Telefon konnte ich das Schie 
ßen bald abstoppen. Immerhin waren diese Zustände auf 
die Dauer nicht haltbar. Daß diese Haufen nicht ausgelöst 
wurden, lag meines Ermessens lediglich an der Angst der 
Regierung vor dm Offiziertruppen. Zwischen beiden mußte 
es über kurz oder lang zum Rampfe kommen. 
Naturgemäß war in den nachfolgenden Tagen der 
versuch, Liebknecht und Radek in die Hände zu bekommen, 
Gegenstand lebhaften Treibens. Nach Mitteilungen aus 
der Reichskanzlei über die Unteroffiziere Suppes sollte 
für die Ergreifung ein erheblicher preis ausgesetzt sein. 
So beschäftigten sich denn einige Unteroffiziere von 
Suppe, darunter auch ein sehr eifriger, leider später durch 
Tropendienst schwer erkrankter Wachtmeister Pendler, mit 
dieser Aufgabe. Er hatte ein Schreibbüro Liebknechts aus 
findig gemacht und sich dort versteckt. Als sich abends 
Schritte näherten, stürzte er sich sofort auf den eintreten 
den Mann und ließ ihn — in der Hoffnung, es sei Lieb 
knecht — durch einige Leute abführen, wenige Tage dar 
auf erhielt ich vom Volksbeauftragten Ebert die Mittei 
lung, daß sein 8«und Lautsky, der sich im Reichsarchiv
	        
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