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Beim Volksbeauftragten Ebert

Full text: 1918-19 / Reinhard, Wilhelm (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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den bekäme. Ebert und sein Staatssekretär -er Reichskanzlei 
Baake erklärten dies für unausführbar, nachdem einmal 
die Entlassung befohlm sei. 
Als ich erwiderte, daß mit den fungm, eben erst einge 
zogenen und durch die Revolution verdorbenen Leuten 
der Ersatzbataillone nichts zu machen wäre, sagte Baake, 
es sei nicht der richtige Ton, den ich hier dem ersten Volks 
beauftragten gegenüber fände. 
„Das preußische Offizierkorps gehört nach Golgatha, 
dann wird alles besser werden." 
Ich erwiderte ihm, die Sozialdemokratie wolle uns ver 
nichten; der Geist des größtenteils auf den Schlachtfel 
dern ruhenden preußischen Offizierkorps würde aber auf 
erstehen. 
Die Unterredung drohte sehr scharf zu werden. Ebert 
bat um ruhigeren Ton, damit die Besprechung zu einem 
Ergebnis führen könne. Es kam nur noch die Lage inner 
halb Deutschlands in Betracht. Ich machte nunmehr darauf 
aufmerksam, daß durch die Massenverhetzung und die 
durch Liebknecht allerorts betriebene Volksbewaffnung mit 
neuen revolutionären Aufständen unter der roten Zahne 
zu rechnen fei. Die schon in jenen Tagen unruhige volks- 
Marinedivision würde der Ausgangspunkt für derartige 
Bestrebungen sein. Ich schlug vor, zur Beruhigung des 
Landes zum mindesten sofort ein Gesetz herauszugeben, 
wonach jeder, der unberechtigt Militärwaffen, Munition 
usw. im Besitz hätte und sie nicht in 4§ Stunden an 
die Militärbehörde ablieferte, zu erschießen sei. 
Ebert und Baake sprangen erregt auf. 
Dieser führte aus, daß meine Forderung ausgeschlossen 
sei, weil es alter Grundsatz der Sozialdemokratie sei, die 
Todesstrafe aufhören zu lassen. Schließlich wurde be 
schlossen, daß jeder, der Waffen besäße, mit einer erheb
	        
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