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Beim Volksbeauftragten Ebert

Full text: 1918-19 / Reinhard, Wilhelm (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Schon in Belgien hatte ich mit dem Kommandeur des 
Ersten Garde-Regiments, Grafen Lulenburg, über unser 
ferneres wirken in der Armee gesprochen, wir waren über 
eingekommen, ihr so lange zu dienen, wie es unsere Ehre 
als preußischer Offizier ermöglichte, wollten aber beide 
nicht den Auch der Geschichte aus uns sitzen lassen, als 
Kommandeure aus dem alten Gardekorps die Zustände 
zu fördern, die in Deutschland eingetreten waren, wir 
verabredeten uns, zum Kriegsminister zu fahren und zu 
versuchen, in Berlin Ordnung zu schaffen. 
Der Minister, Exzellenz Scheüch, der uns sehr wohl 
wollend empfing, hielt die Sache für aussichtslos. Er 
war ja Renner der Verhältnisse. Exzellenz Scheüch meinte, 
daß auch die sogenannte Regierung wenig tun könne. 
wir bestanden auf einer Zusammenkunft mit Herrn 
Ebert, den wir fragen wollten, was aus Deutschland 
würde, und erhielten sie durch Vermittlung des Kriegs 
ministers zugesagt. 
In Zivil sollten wir am 7. Dezember g Uhr abends 
im Äriegsministerium erscheinen. Der Führer des Rüftungs- 
streiks, der älteste Volksbcauftragte Ebert, erschien aber 
nicht. Alle halbe Stunde vertröstete er uns auf eine spätere 
Zeit, und nachts um fi Uhr fuhren wir unverrichteter 
Sache heim. 
Am jo. Dezember war ich mit meinem Divisions 
kommandeur, dem verstorbenen General von Jena, Zeuge 
des Einmarsches der ersten Truppe, der Garde-Äavallerie- 
Schützendivision in Berlin. Er in tadelloser Generals 
uniform mit Helm; ich in Helduniform, Mütze und Re 
volver. 
Schon bei unserer Ankunft war die jammervolle Ab 
sperrung der von Wels gegründeten republikanischen Sol 
datenwehr auf dem pariser Platz durchbrochen. Zehntau- 
4)
	        
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