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Volume Nr. 44, 3. November 1929

Full text: Amtsblatt der Reichshauptstadt Berlin (Public Domain) Ausgabe 1929 (Public Domain)

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Der Zeppelin-Luftscliiffbau-Gesellscluift wird außerdem 
gestattet, einen Schienenstrang längs der Eisenbahn 
als Anschlußgleis zur Reichsbahn auszuführen und zu be 
nutzen. Vor Ausführung des Baues sind die Zeichnungen 
der Tiefbaudeputation zur Stellungnahme zu übersenden. 
Dieses Zugeständnis der Stadt wird als Grunddienstbarkeit 
auf den Grundstücken des Staakener Flugplatzes einge 
tragen. Die Auflassungs- und sonstigen Kosten übernimmt 
die Zeppelingesellschaft. 
Der Magistrat bittet die Stadtverordnetenversammlung 
von der erfolgten Auflassung des Flugplatzes Staaken 
Kenntnis zu nehmen und sich mit dem gleichzeitig vor 
genommenen Austausch von Wege- und Grabenparzellen 
mit der Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. einverstanden 
zu erklären. 
WOHLFAHRT 
Das Archiv für Wohlfahrtspflege 
Die Erforschung der L eb en s v e r h ä 11 n i s s e 
der Berliner Bevölkerung 
In dem Archiv für Wohlfahrtspflege besitzt 
Berlin ein Sammlungs- und Forschungsinstitut für Wohl 
fahrtspflege, das in seinem Aufbau und seiner Arbeitsweise 
eine in Deutschland und auch im Ausland einzigartige Ein 
richtung darstellt. Das Archiv, das unter dem Vorsitz von 
Bürgermeister Scholtz steht und dessen Kura 
torium neben führenden Wissenschaftlern Frau Stadt- 
rutin Wey 1, Stadtrat Muthesius und Obermagistratsrat 
Dr. Kobrak angehören, stellt eine einheitliche 
Mittelstelle dar, die aus Theorie und Praxis die 
inneren Zusammenhänge der Wohlfahrtspflege aufzuzcigen 
sucht. Das Archiv sucht der WOhlfalirtsforschung durch die 
Sammlung von Material zu dienen, um Aufschluß Uber alle 
sozialen Vorgänge zu geben. 
Das Archiv verfügt über eine FachbibJiotliek 
von 20000 Bänden, sowie über ein Zeitseh riften- 
nrchiv von 1000 Periodica, deutscher und ausländischer 
Fachliteratur. Eine besondere Abteilung über Typen von 
WOhlfahrtseinrichtungen in den einzelnen Teilen des Reichs 
bietet Material zum Studium und zur Anregung. Von be 
sonderem Interesse ist die Sammlung über die Berliner 
Wohlfahrtspflege, die lückenlos die Entwicklung auf 
diesem Gebiet seit 40 Jahren darstellt. Die Auswirkungen 
der Industrialisierung, der Kriegs- und Nachkriegszeit in 
ihren Noterscheinungen und den Mitteln zu ihrer Bekämp 
fung sind aus diesem Material ersichtlich und geben inter 
essante Forschungsmöglichkeiten über die Entwicklung 
der Lebens Verhältnisse der Berliner Be 
völkerung sowie über die typischen Berliner Einrich 
tungen der Fürsorge Aus diesem Material kann das A r - 
ehivjedeFürsorgestelleBcrlinsnach weisen 
und der praktischen Ausübung der Wohlfahrtspflege dienen. 
Es wird auch vielfach zu wissenschaftlichen Forschungs 
arbeiten auf dem Gebiete der Sozialpolitik und Wohlfahrts 
pflege benutzt. 
Die Aufgaben des Archivs sind verschie 
denartig. Es will Kenntnisse in der Wohlfahrtspflege ver 
breiten, bei denjenigen, die Hilfe suchen, wie bei denen, die 
helfen wollen, bei den zahlreichen ehrenamtlichen Kräften 
in der Wohlfahrtspflege, wie auch bei den beamteten Für 
sorgern und verwaltungsmäßig tätigen Persönlichkeiten. Es 
will auf Grund seiner Erfahrungen Anregung zur Weiter- 
gestaltung geben, Lücken zeigen und Reformen vorzube 
reiten helfen. Es will zum Forschen anregen im Hinblick 
auf die sozialen und biologischen Zusammenhänge der 
Bevölkerung. 
Im letzten Berichtsjahr hat das Archiv rund 1 2 50 0 
Auskünfte erteilt. Darunter waren ca. 1500 an kom 
munale Behörden, 1000 an WOlilfahrtsbeamle, 4000 an Do 
zenten und Schüler der Wohlfahrtssehulen. Die Material 
sammlungen des Archivs enthalten Bücher, Berichte und 
Zeitschriften aus folgenden Gebieten: Fürsorgewesen. Ge- 
fährdetenfürsorge, Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenen 
fürsorge, Jugendwohlfahrt, Arbeitsfürsorge, Wohnungs 
fürsorge, Gesundheitsfürsorge, Rechtsfürsorge, Sozialver 
sicherung, Volksbildung, soziales Ausbildungswesen. 
Die Materialien des Archivs dienen auch zur Herstel 
lung des Berliner Wohlfahrtsblattes, wie zur 
Herausgabe des Graubuchs über die Wohlfahrts 
einrichtungen von Berlin. Zahlreiche Führungen 
und Vorträge machen das Material weiten Kreisen zugäng 
lich. Da das Archiv eine gemeinnützige Einrichtung dar 
stellt, erfolgt die Benutzung unentgeltlich. In den 
letzten Jahren hat das Archiv seine Aufgabe, eine sozial 
wissenschaftliche Bildungsstätte für alle in der Wohlfahrts 
arbeit Tätigen zu sein, immer stärker erfüllt und ist bemüht, 
mit Hilfe der städtischen Behörden seine Tätigkeit im Inter 
esse der Bevölkerung Berlins und darüber hinausgehend des 
Reichs auszudehnen. 
Die Berliner Jugend wandert 
Die Darstellung gibt einen kleinen Beweis für die 
Wanderfreudigkeit der Berliner Jugend. Zur 
Förderung des Wandergedankens in der Jugedd ist in erster 
JUGENDHERBERGEN 
DER STADT BERLIN 
Linie erforderlich, daß ihr bei den geringen Mitteln, die ihr 
zur Verfügung stehen, billige Unterkunftsmög 
lichkeiten in den Wanderrevieren zur Verfügung steht. 
Dieses Arbeitsgebiet als kommunale Aufgabe wurde in 
Deutschland erst großzügig in der Nachkriegszeit in 
Angriff genommen, und auch in der neuen Stadt 
Berlin wurde der Gedanke in die Tat umgesetzt. Neben 
der finanziellen Unterstützung, die Berlin jähr 
lich dem Gau Mark Brandenburg des Bundes für Jugend 
herbergen angedeihen ließ, und die für das Haushaltsjahr 
1929 40 000 Sltyl betrug, schuf die Stadt Berlin eigene 
Jugendherbergen. Im Jahre 1920 waren es nur 4 Her 
bergen mit zusammen 10 Betten und 250 Notlagern, 1928 da 
gegen waren es 19 Jugendherbergen mit 712 Betten und 
470 Notlagern. 
Aus der ständig wachsenden Uebernachtungs- 
zahl geht die Ausnutzung der Jugendherbergen und ihre 
Beliebtheit bei der wandernden Jugend Berlins hervor. 
Statistisch nachweisbar sind die Angaben erst vom Jahre 
1924 ab. Bis 1928, in einem Zeitraum von vier Jahren, ist 
eine Steigerung von mehr als 10 0 Prozent zu ver 
zeichnen. 
Auch in der Folge wird diese soziale Aufgabe der Stadt 
weiter ausgebaut werden durch Schaffung weiterer Jugend 
herbergen, die durch ihre Ausstattung zum Wandern an 
regen und ein gutes Vorbild für Einfachheit, 
Zweckmäßigkeit und Sauberkeit geben.
	        
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