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Der Zeppelin-Luftscliiffbau-Gesellscluift wird außerdem
gestattet, einen Schienenstrang längs der Eisenbahn
als Anschlußgleis zur Reichsbahn auszuführen und zu be
nutzen. Vor Ausführung des Baues sind die Zeichnungen
der Tiefbaudeputation zur Stellungnahme zu übersenden.
Dieses Zugeständnis der Stadt wird als Grunddienstbarkeit
auf den Grundstücken des Staakener Flugplatzes einge
tragen. Die Auflassungs- und sonstigen Kosten übernimmt
die Zeppelingesellschaft.
Der Magistrat bittet die Stadtverordnetenversammlung
von der erfolgten Auflassung des Flugplatzes Staaken
Kenntnis zu nehmen und sich mit dem gleichzeitig vor
genommenen Austausch von Wege- und Grabenparzellen
mit der Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. einverstanden
zu erklären.
WOHLFAHRT
Das Archiv für Wohlfahrtspflege
Die Erforschung der L eb en s v e r h ä 11 n i s s e
der Berliner Bevölkerung
In dem Archiv für Wohlfahrtspflege besitzt
Berlin ein Sammlungs- und Forschungsinstitut für Wohl
fahrtspflege, das in seinem Aufbau und seiner Arbeitsweise
eine in Deutschland und auch im Ausland einzigartige Ein
richtung darstellt. Das Archiv, das unter dem Vorsitz von
Bürgermeister Scholtz steht und dessen Kura
torium neben führenden Wissenschaftlern Frau Stadt-
rutin Wey 1, Stadtrat Muthesius und Obermagistratsrat
Dr. Kobrak angehören, stellt eine einheitliche
Mittelstelle dar, die aus Theorie und Praxis die
inneren Zusammenhänge der Wohlfahrtspflege aufzuzcigen
sucht. Das Archiv sucht der WOhlfalirtsforschung durch die
Sammlung von Material zu dienen, um Aufschluß Uber alle
sozialen Vorgänge zu geben.
Das Archiv verfügt über eine FachbibJiotliek
von 20000 Bänden, sowie über ein Zeitseh riften-
nrchiv von 1000 Periodica, deutscher und ausländischer
Fachliteratur. Eine besondere Abteilung über Typen von
WOhlfahrtseinrichtungen in den einzelnen Teilen des Reichs
bietet Material zum Studium und zur Anregung. Von be
sonderem Interesse ist die Sammlung über die Berliner
Wohlfahrtspflege, die lückenlos die Entwicklung auf
diesem Gebiet seit 40 Jahren darstellt. Die Auswirkungen
der Industrialisierung, der Kriegs- und Nachkriegszeit in
ihren Noterscheinungen und den Mitteln zu ihrer Bekämp
fung sind aus diesem Material ersichtlich und geben inter
essante Forschungsmöglichkeiten über die Entwicklung
der Lebens Verhältnisse der Berliner Be
völkerung sowie über die typischen Berliner Einrich
tungen der Fürsorge Aus diesem Material kann das A r -
ehivjedeFürsorgestelleBcrlinsnach weisen
und der praktischen Ausübung der Wohlfahrtspflege dienen.
Es wird auch vielfach zu wissenschaftlichen Forschungs
arbeiten auf dem Gebiete der Sozialpolitik und Wohlfahrts
pflege benutzt.
Die Aufgaben des Archivs sind verschie
denartig. Es will Kenntnisse in der Wohlfahrtspflege ver
breiten, bei denjenigen, die Hilfe suchen, wie bei denen, die
helfen wollen, bei den zahlreichen ehrenamtlichen Kräften
in der Wohlfahrtspflege, wie auch bei den beamteten Für
sorgern und verwaltungsmäßig tätigen Persönlichkeiten. Es
will auf Grund seiner Erfahrungen Anregung zur Weiter-
gestaltung geben, Lücken zeigen und Reformen vorzube
reiten helfen. Es will zum Forschen anregen im Hinblick
auf die sozialen und biologischen Zusammenhänge der
Bevölkerung.
Im letzten Berichtsjahr hat das Archiv rund 1 2 50 0
Auskünfte erteilt. Darunter waren ca. 1500 an kom
munale Behörden, 1000 an WOlilfahrtsbeamle, 4000 an Do
zenten und Schüler der Wohlfahrtssehulen. Die Material
sammlungen des Archivs enthalten Bücher, Berichte und
Zeitschriften aus folgenden Gebieten: Fürsorgewesen. Ge-
fährdetenfürsorge, Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenen
fürsorge, Jugendwohlfahrt, Arbeitsfürsorge, Wohnungs
fürsorge, Gesundheitsfürsorge, Rechtsfürsorge, Sozialver
sicherung, Volksbildung, soziales Ausbildungswesen.
Die Materialien des Archivs dienen auch zur Herstel
lung des Berliner Wohlfahrtsblattes, wie zur
Herausgabe des Graubuchs über die Wohlfahrts
einrichtungen von Berlin. Zahlreiche Führungen
und Vorträge machen das Material weiten Kreisen zugäng
lich. Da das Archiv eine gemeinnützige Einrichtung dar
stellt, erfolgt die Benutzung unentgeltlich. In den
letzten Jahren hat das Archiv seine Aufgabe, eine sozial
wissenschaftliche Bildungsstätte für alle in der Wohlfahrts
arbeit Tätigen zu sein, immer stärker erfüllt und ist bemüht,
mit Hilfe der städtischen Behörden seine Tätigkeit im Inter
esse der Bevölkerung Berlins und darüber hinausgehend des
Reichs auszudehnen.
Die Berliner Jugend wandert
Die Darstellung gibt einen kleinen Beweis für die
Wanderfreudigkeit der Berliner Jugend. Zur
Förderung des Wandergedankens in der Jugedd ist in erster
JUGENDHERBERGEN
DER STADT BERLIN
Linie erforderlich, daß ihr bei den geringen Mitteln, die ihr
zur Verfügung stehen, billige Unterkunftsmög
lichkeiten in den Wanderrevieren zur Verfügung steht.
Dieses Arbeitsgebiet als kommunale Aufgabe wurde in
Deutschland erst großzügig in der Nachkriegszeit in
Angriff genommen, und auch in der neuen Stadt
Berlin wurde der Gedanke in die Tat umgesetzt. Neben
der finanziellen Unterstützung, die Berlin jähr
lich dem Gau Mark Brandenburg des Bundes für Jugend
herbergen angedeihen ließ, und die für das Haushaltsjahr
1929 40 000 Sltyl betrug, schuf die Stadt Berlin eigene
Jugendherbergen. Im Jahre 1920 waren es nur 4 Her
bergen mit zusammen 10 Betten und 250 Notlagern, 1928 da
gegen waren es 19 Jugendherbergen mit 712 Betten und
470 Notlagern.
Aus der ständig wachsenden Uebernachtungs-
zahl geht die Ausnutzung der Jugendherbergen und ihre
Beliebtheit bei der wandernden Jugend Berlins hervor.
Statistisch nachweisbar sind die Angaben erst vom Jahre
1924 ab. Bis 1928, in einem Zeitraum von vier Jahren, ist
eine Steigerung von mehr als 10 0 Prozent zu ver
zeichnen.
Auch in der Folge wird diese soziale Aufgabe der Stadt
weiter ausgebaut werden durch Schaffung weiterer Jugend
herbergen, die durch ihre Ausstattung zum Wandern an
regen und ein gutes Vorbild für Einfachheit,
Zweckmäßigkeit und Sauberkeit geben.