Path:
Die Volksmarinedivision an der Seite der revolutionären Arbeiter Vor dem Überfall auf die Volksmarinedivision

Full text: Die Volksmarinedivision / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

94 
Die Lequis-Truppen fuhren Artillerie auf und machten 
Miene, die Matrosen in der Reichskanzlei zu beschießen. Da 
baten Ebert und Landsberg Barth, er möge versuchen, die 
Matrosen zu überreden, die Reichskanzlei zu verlassen. Barth 
versuchte es. Die Matrosen forderten ihn auf, die Lequis- 
Truppen zum Abzug zu bewegen. Barth gab sich redliche 
Mühe, vermochte es aber nicht. Die Offiziere weigerten sich, 
ihm zu gehorchen. Er telefonierte mit dem Generalkommando. 
Dort sagte Major von Harbou, er nehme nur von Ebert Be 
fehle entgegen. Ein Major, der seine Truppe zum Angriff vor 
bereitete, sagte: „Ich habe den strikten Befehl, hier sofort auf 
zufahren und scharf zu schießen und die Matrosen zu beseitigen. 
Ich lasse mich auf gar keine Verhandlungen ein.“ 209 Da zeigte 
sich, daß selbst diese eben aus Finnland zurückgekehrten 
Truppen solche Töne nicht mehr hören wollten. Sie nahmen 
eine drohende Haltung gegen den .Major ein und veranlaßten 
ihn, der Aufforderung Barths, zu Verhandlungen mit in die 
Reichskanzlei zu kommen, Folge zu leisten. Einige Matrosen 
gingen mit. Die Regierungsmitglieder wollten sie wieder 
herunterschicken. Sie ließen sich das jedoch nicht bieten und 
sagten: „Hier sollen wir verkuhhandelt werden; wir wollen 
hören, was los ist.“ 210 Darauf war es nicht zuletzt zurück 
zuführen, daß schließlich die Vereinbarung zustande kam, daß 
die beiden sich einander feindlich gegenüberstehenden bewaff 
neten Einheiten nach einer kurzen Rede Eberts jede nach einer 
anderen Seite abzogen. Dies geschah etwa um zweiundzwan 
zig Uhr dreißig. Ebert hatte kurz zuvor den Matrosen ver 
sprochen, die Lequis-Truppen wieder in ihre Quartiere zurück 
zuschicken, keine weiteren Truppen herbeizurufen und am 
folgenden Tag in einer Kabinettsitzung die Angelegenheiten 
der Matrosen zu regeln. 211 
Was Ebert im Gegensatz zu diesem Versprechen wirklich tat, 
verriet Groener mit folgenden Worten: „Ich habe ihn dann 
um sein Einverständnis gebeten, daß am 24. Dezember die Ma 
209 Ebenda, Nr. 2527, Bl. 4. 
210 Ebenda. 
211 Richard Müller, a. a. O., S. 199; siehe auch Erklärungen der Volks 
marinedivision, a. a. O.; Der Ledebourprozeß, Berlin 1919, S. 415; Nieder 
schriftenband UdPL, S. 7987 und 7993.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.