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Die Volksmarinedivision an der Seite der revolutionären Arbeiter Die Provokation des Stadtkommandanten Wels

Full text: Die Volksmarinedivision / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Damit schien den drei Regierungsmitgliedern Ebert, Lands 
berg und Scheidemann der ersehnte und zielbewußt herbei 
geführte Anlaß gegeben zu sein, den Fronttruppen das Zeichen 
zum Einschreiten zu geben. Barth schildert in seinem Buch 
wie „sehr erfreut“ ihm Landsberg ihre gemeinsame „Gefangen 
schaft“ mitteilte. 
Über denselben Geheimdraht, über den am Abend des 9. No 
vember Ebert mit der Obersten Heeresleitung in Verbindung 
getreten war, hat er auch nach der Sperrung der Zentrale durch 
die Matrosen sofort die Oberste Heeresleitung verständigt. 200 
Ebert konnte trotz der Sperre auch Wels verständigen, der 
seinerseits sofort das Generalkommando Lequis informierte 
und den Alarmzustand befahl. 201 
Die Matrosen gingen nicht sofort zur Kommandantur, son 
dern zunächst zum Marstall zurück und verständigten die 
Kameraden. Dorrenbach befahl Junge, dem Kommandierenden 
der Wache der Reichskanzlei, der sich gerade im Marstall be 
fand, er solle die Absperrung der Reichskanzlei aufheben. 202 
Dann begab sich Dorrenbach mit einem Kameraden von der 
Republikanischen Soldatenwehr, der vermitteln wollte, noch 
vor dem Gros der Matrosen zur Kommandantur. Als sie an 
kamen, wollte Wels gerade mit Dr. Bongard ein Auto be 
steigen. Sie bestimmten Wels, mit ihnen zu verhandeln. Er 
weigerte sich erst, ging dann aber mit den beiden zurück in 
sein Dienstzimmer. Er blieb jedoch nach wie vor bei der 
Weigerung, die Löhnung auszuzahlen. 203 Im Marstall mühte 
sich inzwischen Hillebrandt, die empörten Matrosen davon 
zurückzuhalten, zur Kommandantur zu ziehen. 204 Es gelang 
ihm nicht. Etwa eine halbe Stunde nach Dorrenbach trafen 
die Matrosen vor der Kommandantur ein. Sie stellten sich 
Gewehr bei Fuß auf und schickten eine weitere Abordnung 
hinauf. Wels rief erneut Lequis an und teilte ihm mit, daß 
er von Matrosen eingeschlossen sei, und bat um Befreiung. 205 
200 Eduard Bernstein, a. a. O., S. 109; siehe auch Der Dolchstoßprozeß, 
a. a. O., S. 224. 
201 Deutsches Zentralarchiv I, Potsdam, Reichskanzlei, Nr. 2508/5, Bl. 52 
und 25. 
202 Bleeck-Schlombach, a. a. O., S. 39. 
203 Erklärungen der Volksmarinedivision, a. a. O. 
204 Niederschriftenband UdPL, S. 8010. 
205 Deutsches Zentralarchiv I, Potsdam, Reichskanzlei, Nr. 2508/5, Bl. 53.
	        
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