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Full text: Die Volksmarinedivision / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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aufrechtzuerhalten hat, um der Revolution zum endgültigen 
Siege zu verhelfen.“ 80 
Hier kommt die ganze tragische Verworrenheit gedrängt 
zum Ausdruck. Obwohl der Revolution noch „zum end 
gültigen Siege“ zu verhelfen ist, soll die bestehende (bürger 
liche) Ordnung aufrechterhalten werden, „gegenwärtig und für 
alle Zeiten“. Daß diese Ordnung noch eine bürgerliche ist, 
scheint aber wiederum zumindest ein Teil der Matrosen er 
kannt zu haben, denn wieder in einer anderen öffentlichen 
Erklärung, diesmal vom zweiten Depot der Volksmarine 
division, finden sich unter anderen die Forderungen: „Auch 
müssen vorher (vor der Nationalversammlung — K.W.) alle 
dafür reifen Betriebe verstaatlicht werden . . . Wir fordern die 
sofortige Entwaffnung des Militärs, soweit es sich aus den Mit 
gliedern der bürgerlichen Partei zusammensetzt, und erklären 
uns einverstanden mit der Bildung einer proletarischen Truppe 
zum Schutze der Revolution . . ,“ 81 
Und in dem schon erwähnten Aufruf „An die Arbeiter und 
Soldaten“ versichert Otto Tost im Namen seiner Division: 
„Als durch das allgemeine Vertrauen meiner Division ge 
tragener Führer kann ich sagen, daß diese Truppen nie eine 
Regierung unterstützen werden, die sich in reaktionären Ten 
denzen ergeht. Niemals wird die Marine es zulassen, daß sie 
als Waffe des Kapitals gegen die Proletarier gebraucht wird . . . 
Auf der anderen Seite stelle ich fest: Die Volksmarinedivision 
will im Augenblick alles vermeiden, was zur Störung von Ruhe 
und Ordnung durch die bestehenden politischen Gegensätze in 
den sozialistischen Parteien führen könnte. Wohl ist sie 
davon überzeugt, daß diese Auseinandersetzungen kommen 
müssen . . ,“ 82 
So stoßen wir überall auf die für uns erschütternde Gleich 
zeitigkeit von subjektiv ehrlichem Wollen, die Revolution zum 
Siege zu führen, und Unvermögen, die politische Situation 
richtig einzuschätzen und daraus Schlußfolgerungen zu ziehen, 
die richtigen Maßnahmen zu fordern und durchzusetzen. Es 
trifft also für die Matrosen dasselbe zu, was Ernst Thälmann 
zehn Jahre später über die politischen Bestrebungen der deut- 
80 „Die Freiheit“ vom 23. November 1918. 
81 „Die Rote Fahne“ vom 12. Dezember 1918. 
82 „Die Freiheit“ vom 21. November 1918.
	        
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