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Full text: Die Volksmarinedivision / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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„Er (der Volksmarinerat — K.W.) kann daher ein Eingreifen 
irgendeiner Kontrollinstanz in die Exekutive der Regierung 
nicht billigen.“ 77 
Daß sie dabei glaubten, es mit einer sozialistischen Regierung 
zu tun zu haben, ändert nichts an der Fehlerhaftigkeit der 
Auffassung, daß eine Regierung sich nicht der Kontrolle der 
Räte unterwerfen müsse. 
Wie wenig sich die Matrosen über die Inkonsequenz ihrer 
Kundgebung im klaren waren, beweist die Tatsache, daß sie 
wenige Tage später während einer Versammlung der Äußerung 
ihres referierenden Kameraden Berlemann, daß „die Gewalt aus 
schließlich in den Händen der Arbeiter und Soldatenräte zu 
verbleiben“ habe, lebhaften Beifall zollten. Der Matrose Berle 
mann aber forderte nicht nur die Aufrechterhaltung der Ge 
walt der Arbeiter- und Soldatenräte, sondern auch das Be 
gräbnis derselben: die Nationalversammlung. 78 Auch dafür 
erhielt er Beifall. 
Die Matrosen wollten, wie sie in einem Aufruf „An die 
Arbeiter und Soldaten“, der von ihrem Kommandanten Otto 
Tost unterzeichnet ist, erklärten, daß „die Früchte der Revolu 
tion hier in Berlin und damit über ganz Deutschland nicht 
verloren gehen sollen ...“ Sie glaubten das durch die „Siche 
rung einer ersprießlichen Arbeit der jetzigen Regierung“ zu 
erreichen, 79 Der Irrtum, dem sie damit unterlagen, läßt sie 
einstimmen in den Sirenengesang der Rechtssozialisten von 
„Einigkeit“, von „Ruhe und Ordnung“ und von der National 
versammlung, ohne zu erkennen, daß diese Losungen in der 
gegebenen Situation den Verzicht auf die Diktatur des Prole 
tariats zum Inhalt hatten. In einer weiteren „Kundgebung 
des Volksmarinerates“ heißt es z. B.: „Nur Einigkeit macht 
stark, wo so vieles auf dem Spiele steht... also ist es unsere 
Pflicht, gemeinsam durchzuhalten, daß sich die sozialdemokra 
tische Richtung, wie wir sie jetzt endlich festgelegt haben, 
gegenwärtig und für alle Zeiten behauptet. Die Marine steht 
auf dem Standpunkt, daß sie die Ordnung, wo sie es vermag, 
77 Vgl. „Die Republik“ vom 19. Dezember 1918; „Die Freiheit“ vom 21. No 
vember 1918; Illustrierte Geschichte der Deutschen Revolution, Berlin 1929, 
S. 254. 
78 „Die Rote Fahne“ vom 12. Dezember 1918. 
79 „Die Freiheit“ vom 21. November 1918.
	        
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